Und nochmal Taubnesseln, wahre Zuckerschnütchen: Kommt man den Hummeln zuvor, die das Hummelkarussell (das ist ein alter Name der Taubnesseln) anfliegen und die im Kreis um den vierkantigen Stängel aufgereihten Blüten wie beim Ringelspiel nacheinander besuchen, kann man selbst „Bienensaug“ spielen. Ausgezupfte Blüten, wie miniaturisierte Trinkhörner am Ansatz in den Mund gesteckt, lassen sich auslutschen. Honigsauger, Suggelblume, Schlotzerli, Schluznessel, Honigschläppchen, Zuckerschnuller, Zuzala, Zullerbadscher – all diese malerischen Bezeichnungen verraten den Spaß, den unzählige Kinder und Kind gebliebene Erwachsene schon mit den Taubnesseln erlebt haben. Weniger geläufig ist das Kindervergnügen, das Blütenröhrchen vorsichtig zwischen die Lippen zu nehmen, sachte hindurch zu pusten und dabei einen feinen Klang zu erzeugen – sind die Taubnesseln vielleicht deshalb wahre Lippenblütler?
Weiter geht es mit den Taubnesseln, und zwar mit Familienbande. Wilhelm Busch (1832-1908) beschreibt in seinem Gedicht "Am Vorabend von Rosens Geburtstag" die Taubnessel als stocktaub: "Taubnessel (mit dem Hörrohr): Hä, was? Hä, welche?" Taubnesseln besitzen sie tatsächlich röhrenförmige Gebilde, jedoch nehmen sie damit keine akustischen Signale wahr. Vielmehr sind ihre fünf Blütenblätter zu einer langen Kronröhre verwachsen, die sich nach vorne zu zwei Lippen öffnet. Damit erwecken die Blüten den Eindruck eines aufgerissenen Munds, wenn man sie von vorne betrachtet. Vom griechischen „lamos“ für Schlund, Rachen soll sich der botanische Name Lamium für die Gattung und gleich auch für Lamiaceae, die gesamte Familie der Lippenblütler ableiten.
Taub, das meint auch dumm oder ungeschickt, empfindungslos oder stumpfsinnig. Wer einst gehörlos war, musste unbelehrt bleiben und galt damit als geistig beschränkt, wenn nicht gar als deppert. Einfältig sind die Gewächse, von denen hier die Rede sein soll, aber überhaupt nicht. Im Gegenteil, wenn man sie mal genauer unter die Lupe nimmt, erweisen sie sich als überaus originell und voller Talente.
„Der Frühling kommt, der Himmel lacht, es steht die Welt in Veilchen!“ schwärmte Theodor Storm. Laut griechischer Sage blühen Veilchen unter den Schritten der Frühlingsgöttin Persephone auf. Persephone wurde einst von Hades, dem Gott der Unterwelt geraubt. Ihre Mutter Demeter unterband vor lauter Gram um ihre verlorene Tochter alles Wachstum auf der Erde. Das konnte Göttervater Zeus nicht zulassen, deshalb drängte er auf eine Abmachung: Einen Teil des Jahres verbringt Persephone in der Unterwelt bei Hades, den anderen dagegen auf der Erde. Weilt sie bei Hades, stoppt das Wachstum, es wird Winter. Wenn sie aus der Unterwelt emporsteigt, blühen unter ihren Schritten auf der Erde überall Veilchen auf - zum Zeichen, dass jetzt die fruchtbare Zeit beginnt.
Die Tage sind deutlich länger geworden, die warme Witterung hat viele Pflanzen schon ans Licht gelockt - damit steigt auch die Lust an Wildkräutern. Darüber kann man nie genug wissen, damit kann man sich ein Lebtag lang beschäftigen, davon bleibt man stets fasziniert. Warum nicht einen Lehrgang absolvieren und damit in die große Gemeinschaft Gleichgesinnter einsteigen: Kräuterpädagoge/in werden! Schnell anmelden - es starten mehrere Kurse in Bad Tölz, München, Burgbernheim in Mittelfranken, Kloster Neustift in Südtirol...
"Das Unkrautjäten füllt meine Tage aus... Man kniet am Boden und vollzieht das Rupfen, wie man einen Kult zelebriert, nur des Kultes wegen, der sich ewig erneuert, denn wenn drei, vier Beete sauber sind, ist das erste schon wieder grün." Herrmann Hesse
Schnecken? Super, her damit, mog i gern! Wenn Schnecken so daher kommen, dann sind sie willkommen. Probieren? Dann am Donnerstag, 26. Juli 2018 zum Schneiderhof in Dachau-Mitterndorf kommen, dort wird man sie antreffen. Nach Kräuterspaziergang und beim Wildkräuterkochvergnügen.
Morgen ist Sommersonnenwende: die Kräuter stehen jetzt in ihrer höchsten Kraft und wollen entdeckt werden. Nicht nur das Johanniskraut ist in Traditionen verwurzelt, spendet Heilkraft, würzt das Essen, beflügelt die Phantasie. Kommen Sie mit mir auf die Suche nach den wilden Kräutern, die Sie glücklich machen. Sie werden garantiert fündig.
Tagesseminar "Bäume in Küche und Heilkunde" am 14.6.2018 von 9-17 Uhr in der Kräuter-Erlebnis-Villa in Bad Tölz: Eine elegante Linde, eine mächtige Lärche, ein knorriger Holunder – große wie kleine Gehölze ziehen jeden in ihren Bann. Bäume und Sträucher begleiten den Menschen durch alle Zeiten, nicht nur als Bau- und Brennmaterial, sondern auch als Nahrungslieferanten und Spender von hilfreicher Medizin.
Tagesseminar "Wilde Wurzeln" in der Kräuter-Erlebnis-Villa in Bad Tölz: Sie führen ein verborgenes Leben unter der Erde: Wurzeln. Sie bleiben unseren Blicken entzogen, aber es lohnt sich, sie ans Licht zu holen.
Minze im Gartenbeet – wuchert ohne Ende. Deshalb ab damit in den Eimer! Minzen bekommen gerne lange Beine. Überwuchern schnell die Nachbarpflanzen. Verminzen das ganze Beet. Deshalb bekommen sie eine Grenze gesetzt – eine Wurzelsperre.
Sauerampfer - klingt verächtlich aus dem Munde eines Weinliebhabers. Dagegen umso verlockender für einen Wildpflanzenkenner. Gerade sprießt er wieder, das Essigkraut, der Sauerlump, der Surimuri. Kaum jemand, der sich nicht erinnert, mit welcher Lust man als Kind die frischen Blätter des Sauerampfers von der Wiese gezupft und genüsslich zerkaut hat: so schön sauer! Da lief einem das Wasser im Munde zusammen und der Durst war gelöscht. Will nicht auch jeder Koch seinen Gästen ein solches Wohlgefühl vermitteln? Dann kommt er am Sauerampfer kaum vorbei.
Mehr zum Sauerampfer auch im Wildpflanzen-Magazin - dem monatlich erscheinenden e-Magazin rund um Wildkräuter und mehr.
Wildkräuter bringen mich – auch nach vielen Jahren intensiver Beschäftigung mit ihnen – immer wieder in Erstaunen. Kaum schmilzt der Schnee, wecken die ersten Strahlen der Frühlingssonne die Pflänzchen und bringen sie kräftig zum Sprießen. Woher nehmen diese Geschöpfe nur ihre Energie? Zu keiner anderen Zeit schmecken die kleinen Kräuter besser. Weil wir den ganzen langen Winter lang auf sie warten mussten?
Obwohl die warmen Tage schon überall die ersten Frühlingsboten wie Haselkätzchen und Schneeglöckerl hervorlocken, ist doch noch Winter. So richtig wachsen will es noch nicht. Und wer weiß, ob der Winter nicht noch einmal einzieht? Egal, es gibt immer was zu suchen und zu finden. Sogar ausreichend, um damit ein ganzes Kräuter-Menü zu kochen. Glaubt ihr nicht? Na dann:
Winter. Da lechzt der Magen nach Wärme, deftigem Braten, Würsten, knusprigen Bratkartoffeln, Rüben und Kraut. Ein Ganserl darf‘s auch mal sein, oder kräftige Speckbohnen. Fehlt nur noch die richtige Würze, damit auch alles gelungen schmeckt und wohl bekommt. Ich wüsste da was, ein altbewährtes Kraut: Beifuß!
Dreimal gibt es auch dieses Jahr wieder die allseits beliebten Kräuterspaziergänge mit mir über den Schneiderhof in Dachau-Mitterndorf. Kurz und knackig, aber immer unterhaltsam! Dieses Jahr NEU: jedesmal anschließend Kochvergnügen in der neuen Showküche vom Hof.
Manchmal scheinen Bäume sehr menschlich. Hier zum Beispiel: Zwei große Kiefern haben eine kleine Fichte adoptiert. Zwischen den Stämmen der beiden Großen findet die Kleine mehr als nur Schutz...
Bärlauchfrüchte in der Küche - dazu fallen Renate Blaes viele tolle Rezepte ein. Warum nicht dies: Knäckebrot mit Ziegenfrischkäse, Radieschen und Bärlauchfrüchten. Auf ihrem Blog gibt es noch viel mehr feine Ideen.
Bald ist seine Zeit dahin, schon in kurzer Zeit wird man ihn nicht mehr sehen: Bärlauch. Ganz zum Schluss läuft er aber nochmals zur Hochform auf, wenn er seine Früchte bildet. Noch grüne Bärlauchfrüchte schmecken, so klein sie auch sind, einfach riesig. Grüner Kaviar? Oder besser Grüner Waldpfeffer?
Nachdem im letzten Herbst vielerorts Eckern in Hülle und Fülle aus den Kronen der Buchen geregnet sind, darf man sich jetzt auf ein besonderes Schauspiel freuen. Alles, was von hungrigen Waldtieren (oder fleißigen Wildfrüchtesammlern) übersehen wurde, keimt nun. Wie gesät, dicht an dicht überziehen Buchenkeimlinge den Waldboden. Zugreifen beim jungen Gemüse: Diese Keimlinge gehören mit zu dem Besten, was der Buchenwald zu bieten hat.
Gefunden über die Brennnessel: "Bereitet man die Brennnessel als Salat zu, so rollt man die gewaschenen Blätter und Spitzen in einem feuchten Geschirrtuch ein paar Mal hin und her. Dabei werden die Brennnhaare gebrochen und sie kann roh gegessen werden." Prima Tipp - gefunden in "Die Wildkräuter der vier Jahreszeiten" von Daniela Dettling im Freya Verlag.