Salat der Goldschürfer

Kalifornien, im Jahr 1850. Man hatte Gold entdeckt und alles rannte ins vermeintlich verheißene Land der Glückseligkeit, um das edle Metall zu suchen, unermesslichen Reichtum zu finden. Tausende wühlten in der Erde, kehrten das Unterste zuoberst. In ihrer Gier vergaßen sie alles – auch den Anbau von Nahrungsmitteln.

So gierig und gottvergessen die Goldsucher waren, so milde zeigte sich Mutter Natur. Überall, wo Spitzhacken die Erde aufgerissen, Schaufeln die Krume entblößt hatten, sprossen bald grüne Pflänzchen. Indianer wussten um deren Wert, dass sie gut schmecken und außerordentlich gesund sind. Und verrieten es den weißen Männern.

Und so kam es, dass viele, viele Abenteurer vor dem Verhungern gerettet wurden. Bitter arm und völlig ausgezehrt konnten sie sich dank des üppig gedeihenden Kräutleins am Leben halten. Man nennt es in Amerika bis heute miner’s lettuce, Goldschürfersalat, oder auch spring beauty, Frühlingsschönheit.

Kraut mit Rauten
Das dem Gold so holde Kraut trägt auch im Deutschen viele Namen: Winterportulak, Winterpostelein, Kubaspinat, Tellerkraut, Quellkraut, Blumendreiklapp, Grensel… – botanisch Claytonia perfoliata oder Montia perfoliata. Es trägt rautenförmige (da muss doch jeder Bayer aufhorchen!) geformte Blätter, die in dichten Rosetten stehen und eine Art grünes Nest bilden. Die Blätter sind knackig und leicht fleischig, man kann sie samt der dünnen Stiele essen. Sie enthalten reichlich Vitamin C, daneben vor allem Magnesium, Calcium und Eisen. Winterportulak ist keineswegs ein Arme-Leute-Gemüse, sondern eine absolute Delikatesse! Die Pflanze hat es inzwischen über die Karibik, Kuba (aha – deshalb also Kubaspinat) und Australien auch bis nach Europa geschafft. Man bekommt sie inzwischen sogar im tiefsten Bayern, etwa auf dem Schneiderhof in Mitterndorf bei Dachau. Hier wird sie – nur während der Wintermonate – weniger poetisch als Portulak angeboten.

Mild gesäuert
Gold muss man dem feinen Kraut wahrlich nicht auflegen. Es trägt das Gold in sich – nämlich einen feinen, milden Geschmack. Die nordamerikanischen Ureinwohner legten die Blätter früher auf Ameisenhaufen. Die Ameisen versprühten ihre Säure darauf, und so elegant gewürzt kam es „bei Indianers“ auf den Tisch. Wir träufeln heute ein Dressing darüber, angerührt mit Essig oder Zitronensaft. Außer als Salat, auch gemischt mit anderen Wintersalaten wie Feldsalat, Chicorée, Zuckerhut oder Rucola, kann man den Winterportulak auch wie Spinat zubereiten, in zu Gemüse beigeben, für Currys und Wokgerichte verwenden…

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