Garten: Wenn Knollen Knospen treiben

Immer wieder kommt es vor, dass Vorräte wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Rüben treiben. Kein Grund, die keimenden Knollen einfach wegzuwerfen. Wie wäre es mit einer kleinen Aufzucht? Gärtnerei auf der Fensterbank – meine wöchentlichen Gartentipps, auch auf br-online.

Bauernregel:
St. Agatha die Gottesbraut,
macht, dass Schnee und Eis gern taut.

Vorausplanen
Wenn unter freiem Himmel auch noch nichts ansteht, im Kopf darf schon fleißig gegärtnert werden. Erstellen Sie für Ihren Gemüsegarten einen Anbauplan, damit Sie rechtzeitig Saatgut besorgen und Jungpflanzen vorziehen können. Jetzt bleibt noch genügend Spielraum, sich auch um ausgefallene Arten und Sorten zu bemühen. In aller Ruhe lassen sich Kataloge und Angebote studieren.

Fensterbank-Gärtnerei
Draußen herrscht noch der Winter mit frostiger Hand, da muss die Gärtnerei eben ins Zimmer verlegt werden. Auf der Fensterbank wächst allerlei, beispielsweise Kresse. Einfach Kressesamen in einer Schale, ausgelegt mit Küchenvlies, stets leicht feucht halten. Schon wenige Tage später sprießt es grün, die Keimlinge können abgeschnitten und verzehrt werden. Neben Kresse sind auch Mungbohnen, Linsen, Radieschen, Senf, Rucola und viele weitere Sämereien schnell angetrieben. Von Rüben, Rote Bete, Karotten oder Kohlrabi schneidet man die Köpfe ab, legt sie auf einen Teller und lässt sie über die Schnittflächen Wasser aufsaugen. Innerhalb kurzer Zeit treiben frische Blätter aus dem Schopf – willkommene Würze voller Vitamine für die Küche.

Kartoffeln und Zwiebeln treiben
Passiert derzeit häufig: Kartoffeln treiben aus. Solange die Knollen noch fest sind, können sie weiterhin zum Kochen verwendet werden. Oder man steckt sie rund 20 cm tief in große Gefäße mit Erde, stellt sie hell auf und pflegt sie wie Zimmerpflanzen. Bald erscheinen die Blätter, schon ab Mai können Sie die hübschen Kartoffelblüten bestaunen und ab Juni/Juli sogar frische Knollen ernten. Ähnlich funktioniert’s mit Zwiebeln. Austreibende Zwiebeln in Töpfe mit sandiger Erde pflanzen, hell stellen und vorsichtig gießen. Schon nach wenigen Wochen gibt es reichlich frische Zwiebelröhrl.

Kennen Sie das?
Keimruhe
Die Keim- oder Samenruhe, fachsprachlich Dormanz, bezeichnet eine Art Dornröschenschlaf von Pflanzensamen. Wie Dornröschen müssen die Samen erst „wach geküsst“ werden, damit sie zu keimen beginnen. Es ist ein Schutzmechanismus der Pflanzen, damit die Samen erst zu einer günstigen Zeit aufgehen und die jungen Pflänzchen gute Wachstumschancen haben. Eine mehr oder weniger dicke Samenschale wirkt wie die dornige Rosenhecke, sie muss erst durchdrungen werden. Nicht das Schwert des Prinzen, sondern Kälte, Licht, Witterung oder andere Faktoren machen die Samenschale mürbe, aber auch die Passage durch einen Vogelmagen brechen die Keimruhe. Endgültig geweckt werden die Samen dann von Wärme, Wasser und Sauerstoff.
Wie tief und anhaltend die Keimruhe ist, hängt von den einzelnen Pflanzenarten ab. Während etwa Zwiebeln gleich nach der Samenreife keimen, verhalten sich Maiglöckchen wie Langschläfer. Es dauert zwei und mehr Jahre, bis deren Keimruhe durchbrochen wird. Erstere gehört zu den Schnellkeimern, letztere zu den Langsamkeimern bzw. Schwerkeimern.

6 Gedanken zu „Garten: Wenn Knollen Knospen treiben“

    • Gut kluggesch…n, absolut richtig. Botanisch betrachtet.
      Vielleicht sollte die Überschrift besser heißen: Wenn Knolliges sprießt? Oder gibt es noch eine bessere Idee?

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  1. Danke für diese interessanten Tipps! Ich habe solche „Keimlinge“ immer weggeschmissen. Das werde ich in Zukunft nicht machen…

    Viele Grüße
    Renate

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    • Funktioniert auch mit Pastinaken, Wurzelpetersilie, Sellerie, Rettichen, Radieschen – und macht riesig Spaß, dem Gemüse beim lustigen Treiben zuzuschauen. Dann lass es Dir schmecken, liebe Renate!

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    • Danke für die Blumen, lieber Wilfried – oder muss man in diesem Fall sagen, danke für Gemüseblumen?
      Lohnt sich in jedem Fall, diese kleine Gärtnerei mit Rübenköpfen.

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