Schlehen – blaue Perlen zwischen schwarzen Dornen

Schlehen – blaue Perlen zwischen schwarzen Dornen

Schon der Ötzi kaute sie, im Mittelalter war der Schlehenwein gar ein Modegetränk, als Edelbrand mit kirschig-pflaumiger Extravaganz ist sie auch heute eine Spezialität: Schlehen, Juwelen unter den Wildfrüchten. Wer jemals eine frische Schlehe gegessen hat, vergisst das nie. Die schwarzblauen Früchte ziehen alles zusammen und schmecken sehr herb. Ganz anders dagegen mundet das berühmte Schlehenfeuer, das fruchtig süß über die Zunge rinnt und im Magen für Wärme sorgt, oder das rubinrot schimmernde Schlehengelee, das eine Frühstückssemmel wie einen winterlichen Kuchen gleichermaßen krönt. Schlehen wollen eben richtig verwertet sein. Schon geerntet und tiefgekühlt? Na dann auf in die Küche!

Der spröde Charme wird schmeichelnd, wenn man die „Bockbeeren“ dem Frost aussetzt. Statt auf eisige Nächte im Herbst zu warten, um danach nur noch ausgedörrten Ausschuss zu ernten oder alles an hungrige Vögel zu verlieren, klaubt man Schlehen besser schon, wenn sie gut ausgefärbt sind und sich leicht vom Zweig lösen – und legt sie in den Tiefkühler. Die Kältebehandlung bricht ihre Bitterkeit, anschließend bringen verschiedene Kochtechniken ihre unvergleichliche Aromenfülle richtig zur Geltung.

Schlehen in der Küche
Kein Teil der Schlehensträucher, das nicht irgendwie Verwendung findet: die Sträucher bilden einen „lebenden Stacheldraht“ um Gehöfte und Gärten, Dornen dienen als Spieße zum Verschließen der Wurstdärme, aus der Rinde wird Tinte gekocht, Blüten ergeben einen feinen Tee, Blätter nimmt man als Ersatz für Schwarztee, als Tabak oder zum Einwickeln von Käse für eine verlängerte Haltbarkeit. Doch all das gehört eher der Vergangenheit an.

Edles vom Waldrand
Nicht so die Nutzung der Früchte. Diese ergeben neben Spirituosen und Wein auch Mus oder Marmelade, pur oder gemischt mit Pflaumen. Für die Saftgewinnung Schlehen mit Wasser aufgießen, bis sie bedeckt sind, zum Kochen bringen. Abgedeckt einen Tag stehen lassen. Schlehen abseihen und in den Topf zurückgeben, die Flüssigkeit aufkochen und über die Schlehen gießen, erneut einen Tag ziehen lassen. Diese Prozedur wiederholen, dabei jedoch Zucker zufügen, je Liter etwa 500 g. Saft abfiltern (am besten durch ein Tuch, Rückstand gründlich auspressen) und heiß in Flaschen füllen, sofort verschließen. Aus dem Saft wird ganz einfach Gelee, fein zu Wildgerichten, oder ein Punsch, wunderbar wärmend an kalten Tagen.

Noch mehr Delikatessen
Besonders fein auch ein Schlehen-Balsamessig (Zucker karamellisieren, mit Apfelessig ablöschen, Schlehensaft zugeben und einköcheln), perfekt zu Roten Beten. Geheimtipp: Schlehenpralinen! 200 g Rohmarzipan mit 100 g Puderzucker, 50 g fein geriebenen Walnüssen, 1 EL Schlehenlikör und 2 EL Schlehenmus verkneten, zu walnussgroßen Kugeln formen, kaltstellen. Mit flüssiger Kuvertüre überziehen, wahlweise mit Mandelsplittern oder Kokosraspeln bestreuen oder mit weißer Kuvertüre verzieren.

1 Kommentar
  • Frank
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    Hallo, ich habe „Peine Oliven“ gemacht. Schlehe in Olivenöl eingelgt mit Kräutern. Jetzt wo ich’s lesen muss ich die bald mal probieren. 🙂
    LG

    21. Dezember 2017 um 21:53

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