Gründonnerstag

Gründonnerstag

In der Passionswoche zwischen Palmsonntag und Ostern hat der Donnerstag eine besondere Bedeutung. Gründonnerstag, eine sehr logisch klingende und wahrscheinliche Deutung des Namens bezieht sich auf den Brauch, an diesem Tag besonders viel Grünes zu essen. Mit grünem Gemüse und grünen Kräutern soll man die Kraft des Frühlings und die Stärke des Austriebs in sich aufnehmen. Laut Volksglauben wird man dadurch das ganze Jahr nicht krank und hat immer Geld im Beutel. Traditionell gibt es an diesem Tag eine bestimmte Speise wie Suppe, Brot oder Kuchen.

Neben der Frankfurter grünen Sauce, bestehend aus siebenerlei Kräutern, ist vor allem die Neunkräuterstärke oder Neunersuppe verbreitet. Weil der Garten noch nichts hergibt, greift man auf Wildkräuter zurück, und zwar auf solche, die rund um einen herum wachsen. Gründonnerstag ist der erste der drei Kartage, sie mit besonderer Andacht und strengem Fasten begangen werden sollen. Trotzdem sind die überlieferten Rezepte für Gründonnerstagsspeisen weder geschmacklos noch kalorienarm – im Gegenteil. Wiesenmus (Gemüse aus Wiesenkräutern mit Mehlschwitze), Laubfrösche (kleine Rouladen mit Spinat, Mangold oder Kraut), grüne Maulschellen (Maultaschen mit grüner Füllung), Brennnesselkuchen (gehaltvolle Pfannkuchen mit vielen Eiern), Kräutermäuschen (in Teig ausgebackene Kräuterblätter), Krautküchlein (Kartoffelpuffer mit vielen Kräutern) oder Bärlauchkrapfen (Schmalzgebackenes) darf man zu Recht als gehaltvolle Köstlichkeiten bezeichnen. Selbst die berühmt-berüchtigte „Wasserschnalzn“ (Brotsuppe auf Wasserbasis) wird an solch einem Tag durch „Hosenknöpf“ (Brösel aus gekochten Kartoffeln und Mehl) aufgewertet.

Judasohren haben ebenfalls mit diesem Tag zu tun. Judas hatte Jesus nach dem letzten Abendmahl im Garten Gethsemane verraten. In Erinnerung daran meint man z.B. in Hamburg und im Harz mit Judasohren Honigbrötchen. Honig zu Gründonnerstag gegessen verheißt Segen und Schutz. Aus Reue über seine Schandtat wollte Judas sich das Leben nehmen und an einem Holunderstrauch (Sambucus nigra) erhängen. Doch der ließ sein Holz brüchig werden, beim Herunterfallen blieben jedoch die Ohren von Judas an der Rinde hängen – und dort hängen sie heute noch, in Form eines Pilzes. Tatsächlich erinnern die Fruchtkörper vom Holunderschwamm (Auricularia auricula-judae) an Ohrmuscheln.

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