Karfreitag

Karfreitag

Mit Karfreitag sind so manche Pflanzen eng verbunden. Schneidet man in der Nacht zu Karfreitag einen Holunderzweig auf dem Kirchhof und bohrt das Mark heraus, kann man damit Hexen erspähen. Man braucht nur beim Gottesdienst hindurch zu blicken, Hexen sitzen stets verkehrt herum zum Altar. Aber man sollte die Kirche vor dem Läuten schleunigst verlassen, sonst drehen einem die entdeckten Hexen den Kragen um oder jagen einem ihre Katzen auf den Hals.

Karfreitagsblume ist neben Kellerhals, Scheißlorbeer oder Menschendieb einer der zahlreichen Trivialnamen für den Seidelbast (Daphne mezereum). Weil unter Naturschutz gestellt, dürfen die blühenden Zweige heute nicht mehr als Palmzweige geschnitten werden. Ähnlich der Passionsblume (Passiflora) für das Leiden Christi sieht man den Strauch als Signaturenpflanze für den Karfreitag an. Die violette Tönung der stark duftenden, aus vier über Kreuz stehenden Kronblättern gebildeten Blüten erinnert an die Farbe der Fastenzeit, sowie an die der Tücher, mit denen das Kreuz bis in die Osternacht verhüllt bleibt. Die Laubblätter stehen anfangs zusammen wie eine Lanze, eines der Leidenswerkzeuge, an den Triebspitzen, über den direkt aus dem Holz hervorbrechenden Blüten. Die kahlen, steil nach oben ragenden Triebe erinnern an die Geißelsäule.

In manchen Gegenden wird ein Bündel aus neunerlei Holz geschnürt, wofür je ein Zweig von Apfel, Birne, Weichsel, Kirsche, Vogelbeere, Haselnuss, Erle, Weide und Birke geschnitten wurde. Das Neunerlei Holz soll vor bösem Zauber schützen. Die Schlehe (Prunus spinosa) lässt man außen vor, von ihr erzählt eine alte Legende: Weil ihre wehrhaften Zweige gegen ihren Willen zur Dornenkrone gebunden wurden und den Herrn schwer gepeinigt haben, verachteten die übrigen Sträucher die Schlehe. Ihre Rinde wurde vor lauter Gram ganz schwarz. Doch zum Zeichen ihrer Unschuld kleiden sie Engel jedes Jahr zu Karfreitag in ein weißes Kleid – tatsächlich blüht die Schlehe oft um Ostern herum.

Kurz vor Ostern richten Kinder nicht nur in Schwaben und Franken ein Osternest oder Ostergärtchen her. Mit Moos, kleinen Rasensoden oder Heu wird ein Rindenstück, Körbchen oder Teller ausgelegt, kunstvoll aus Hölzchen ein Zaun gebastelt und alles mit Schleifen, Blüten oder Steinen zu einem Garten gestaltet, in das der Osterhase dann zu Ostern die Eier legen soll. Häufig wurden die Nester oder Gärtchen mit der Hasenblume (Feld-Hainsimse, Luzula campestris) besteckt oder bestreut. Mit diesem „Hasenbrot“ sollte der Osterhase angelockt werden.

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