Kaffee-Ersatz

Von Muckefuck bis Blümchenkaffee – Ersatz für die „guten Bohnen“!
Kaffee? Espresso, Mokka oder Café au lait war gestern, es lebe der Filter-Kaffee. Keineswegs aus Bohnen vom Kaffeestrauch (Coffea) der Sorte Arabica oder Kopi Luwak, schon gar nicht in Kapseln oder Pads und auch nicht aus der Maschine oder dem Vollautomaten. Sondern wie schon bei Oma gekonnt aus Wurzeln, Früchten, Samen selbst vorbereitet und liebevoll mit der Hand aufgebrüht. Surrogate feiern ein Revival, und zwar nicht nur die aus Kulturpflanzen, sondern mehr und mehr auch aus wilden Gewächsen.

Getreide, Malz und Früchte

Echter Bohnenkaffee, also das schwarze Getränk gebrüht aus gerösteten, gemahlenen Samenkernen der Steinfrüchte vom Kaffeestrauch, war früher ein absolutes Luxusgut. Mitte des 17. Jahrhunderts nach Europa gelangt, blieb der Bohnenkaffee der begüterten Bevölkerung vorbehalten. Das gemeine Volk musste sich mit allerlei Ersatz zufrieden geben. Aber man war sehr erfinderisch. Aus allen möglichen und schier unmöglichen Grundstoffen entstanden nachgeahmte Produkte, Ersatzkaffee.

Allerlei Grundstoffe für „Kaffee“

Torf, Ziegelmehl, Erde dienten vor allem zum Strecken des teuren Bohnenkaffees, daneben auch Baumrinde, Wurzelwerk, Brotkrusten oder Zwieback, wenn auch eher aus unlauteren Gründen. Keine Plagiate, sondern echte Surrogate, eben Ersatzstoff, entstanden vornehmlich aus Getreide (insbesondere Gerste, auch Roggen, Weizen, Dinkel, Hafer, Hirse), Malz und Zichorienwurzeln (Wegwarte, Cichorium intybus) wie auch Dörrbirnen und Feigen (Ficus carica). Man findet diese Land- oder „Gesundheits-“Kaffees bis heute in gut sortierten Geschäften. Sogar eine Art „Nescafé“ ist immer noch erhältlich, der altbekannte, lösliche Caro-Kaffee aus Gerste, Gerstenmalz, Zichorie und Roggen.
Kartoffeln, Runkelrüben, Karotten, Pastinaken, Petersilienwurzeln, Schwarzwurzeln, Haferwurzeln, Sellerie, Erbsen, Platterbsen, Wicken, Bohnen, Mais, Gurken, Kürbis, Sonnenblumen, Buchweizen, Erdmandeln und mehr lieferten ebenfalls den Grundstoff für einen Kaffee der armen Leute, der jedoch als Lorke (Krötenwasser), Plörre oder Plempe eher gering geschätzt wurde.

Knollen-Platterbse: Nicht die Samen, sondern die an kleine Erdnüsse erinnernden Knöllchen an den Wurzeln wurden früher vielfach als Kaffeesurrogat verwendet, aber auch gekocht als Gemüse verzehrt oder wie Maroni geröstet geknabbert.

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