Total a-saisonal

Dass ab Aschermittwoch Osterhasen und Ostereier die Supermärkte füllen, geht ja gerade noch an – obwohl Fastenzeit ist. Dass in den Gartenmärkten seit Lichtmess schon die Terrassenmöbel- und Grillsaison ausgebrochen ist, meinetwegen. Dass in den Modeläden trotz immer noch fröstelnder Temperaturen Spaghettiträger und Flipflops vorherrschen, egal. Aber was mich richtig nervt, sind Erdbeeren und Spargel!

Was bitteschön haben denn Erdbeeren jetzt hier zu suchen? Das sind doch Sommerfrüchte! Kann es der Mensch denn nicht erwarten, bis Erdbeeren – sonnengereift, süß und voller Geschmack – wirklich Saison haben? Auch beim Spargel scheint es, dass man auf Teufel komm raus nur ja beizeiten weiße Stangen auf den Teller legen muss, auch wenn es nach gar nix schmeckt.

Erdbeeren sind schnell verderblich, müssen um diese frühe Jahreszeit aus Marokko, Israel, Ägypten, Mexiko oder Spanien schleunigst hertransportiert werden (meistens mit Flugzeug!). Unglaublich, was für ein Aufwand, was für eine Energieverschwendung, was für ein Umweltfrevel – und das für rübenartige Gebilde ohne jegliches Aroma, die zwar wie Erdbeeren aussehen, aber sonst mit Erdbeeren nichts gemein haben. Eine Beleidigung für die königlichen Früchte! Aber es muss sie doch irgendwer kaufen, die Erdbeeren schon im März.

Dazu bitte gleich auch noch den frischen Spargel, gezogen mit Bodenheizung und doppeltem Folienschutz. Ist doch regional! Schmeckt aber trotzdem nach nichts. Warum können wir es nicht erwarten, bis Spargel von selbst treibt und ihn dann genießen, immerhin dauert die Saison bis Johanni. Aber spätestens Ende Mai sind alle mit Erdbeeren und Spargel schon so übersättigt (oder endgültig enttäuscht), dass keiner mehr Erdbeeren und Spargel mag – wo doch gerade dann Hauptsaison dafür ist.

Wer’s mag – ich freue mich jetzt erst einmal auf frischen Bärlauch, knackigen Giersch und junge Brennnesseln, genieße die letzten Vorräte an Erdbeermarmelade und schwelge in Vorfreude. Alles zu seiner Zeit.

Ein Gedanke zu „Total a-saisonal“

  1. Liebe Frau Greiner, mir ging es gestern genau so, als ich diese Erdbeeren sah. „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah“. Dieser Spruch passt auch dafür. Bärlauch, Giersch, Brennnessel mmmmh.
    Herzliche Grüße Margarete Vogl

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