So ein Glück mit dem Pech: Baumharze Teil 1

So ein Glück mit dem Pech: Baumharze Teil 1

Warum ist die gute Stube zum Weihnachtsfest so von einem wunderbaren Waldduft erfüllt? Der Christbaum macht’s, er versprüht aus allen Poren seiner Nadeln, aber auch aus Ästen und Stamm sein Aroma. Genauer liegt es am Harz, in südlichen Regionen oft Pech genannt, das Fichten wie fast alle Nadelbäume bilden. Baumharze spielen in vielerlei Hinsicht eine große Rolle.

Edle Gaben
Ärgern Sie sich nicht über Harzflecken an Ihren Händen, sie lassen sich mit etwas Öl, Butter, Reinigungsmilch oder einer Mischung aus Kaffeesatz und Flüssigseife leicht entfernen. Harze sind wertvoll, denn ohne sie wäre nicht nur Weihnachten ziemlich geruchlos, sondern wir auch um altes Brauchtum ärmer. Doch beginnen wir von vorne.

Baumharze sind zähflüssige, gelbe bis braune Ausscheidungen, die Nadelbäume in speziellen Harzkanälen und -blasen bilden. Sie bestehen aus einem komplexen Gemisch verschiedener Stoffe, darunter eine beträchtliche Menge ätherische Öle. Die Gehölze benötigen sie als Schutzstoffe, denn damit verschließen sie Wunden, verhindern Austrocknung, wehren sich gegen Bakterien, Pilze und Fraßfeinde wie Borkenkäfer. Über Harzkanäle werden sie zur Oberfläche oder im Stamm an die entsprechenden Orte transportiert. An der Luft erstarren Harze gewöhnlich, weil die ätherischen Öle verdunsten, werden hart wie Glas. Bisweilen bleibt austretendes Harz aber auch weich, als sog. Balsam rinnt und tropft es dann über die Borke.

Das Naturmaterial Harz haben die Menschen sich seit Urzeiten nutzbar gemacht. In der Steinzeit diente es als Klebstoff, die alten Ägypter balsamierten damit ihre Mumien ein, bereits im antiken Griechenland würzte man mit Harz den Wein, auch um ihn haltbarer zu machen. Mit Harz ließen sich Schuhe und Gefäße abdichten, Fackeln lange brennbar ausrüsten, Lacke und Farben anrühren, Papiere leimen, Seifen sieden. Heftpflaster und Verbände hielten dank Harzen gut, sorgten für Desinfektion und schnellere Heilung.

Fichtenharz wurde früher als Wagenschmiere verwendet. Wer mit der Postkutsche reiste, musste an den Stationen so genanntes „Schmiergeld“ zahlen. Ob beim Maibaumklettern, Gewichtheben, Tanzen oder Handballspiel, Harz sorgt sogar oft heute noch für einen besseren Grip. Beim Schlachten braucht der Metzger Brüh- oder Saupech, mittels Kiefernharz werden die Borsten von der Schwarte entfernt.

Nicht zuletzt klingen Melodien nur dann süß von der Geige, wenn die Rosshaare des Bogens mit Kolophonium, aus Harz gewonnen, geschmeidig über die Saiten gleiten. Und vielleicht bekommt jemand als Geschenk ein Schmuckstück aus Bernstein – nichts anderes als fossiles Harz. Zukunftsweisend sind nachhaltige Nutzungen des natürlichen Rohstoffs, etwa für langlebige Verbundwerkstoffe aus Altpapier mit Harzen, ebenso für Kosmetika, Medikamente und technische Produkte.

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