Pflanzen der Barbara

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Um den Gedenktag der Märtyrerin – eine der 14 Nothelfer – rankt sich allerlei Brauchtum, bei dem auch einige Pflanzen eine Rolle spielen. Allen bekannt sind die Barbarazweige, aber wie steht es mit dem Barbarakraut, der Barbarawurzel oder dem Barbarakisselchen?

Barbarazweige

„Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.“ Nach dem schönen alten Brauch holt man sich zu Beginn der Adventszeit kahle Zweige ins Haus, damit sie pünktlich zu Weihnachten in voller Blüte stehen. Welch ein Wunder in der dunklen Jahreszeit – und doch keine Hexerei.

Die Legende berichtet über Barbara von Nikomedia, die um 300 n. Chr. zum Christentum übergetreten war und dafür von ihrem Vater ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt wurde. Ein Kirschzweig verfing sich ihrem Gewand, sie tränkte das Reis im Kerker mit Wasser aus ihrer Trinkschale. Am Tage ihrer Hinrichtung erblühte der Kirschzweig – der zornige Vater wurde später vom Blitz erschlagen. Zu Ehren von Barbara stellt man bis heute am 4. Dezember, dem Barbaratag, ein paar Zweige in die Stube und hofft, dass sie bis zum Christfest in Blüte kommen.

Was Blüten treibt

Traditionell schneidet man als Barbarazweige Äste von Kirschen, gerne auch von Zier- und Wildkirschen. Bei diesen wie auch bei Zwetschgen oder Pflaumen, Blut- und anderen Zierpflaumen funktioniert es sehr zuverlässig, dass sich die Knospen in den drei Wochen bis Weihnachten wirklich öffnen. Ebenso lassen sich Forsythien, Mandelbäumchen, Zierjohannisbeere, Zierquitte, Ginster sowie Zweige von Wildsträuchern wie Kornelkirsche und Schlehe antreiben. Auch bei Winterjasmin und Zaubernuss gehen die Knospen bestimmt auf. Bei Magnolie, Rosskastanie, Apfel, Flieder und Goldregen gelingt das nicht immer. Dafür sucht man Triebe mit dicken, eher rundlichen Knospen, das sind Blütenknospen. Aus schlanken Knospen treiben dagegen meist nur Blätter. Aber auch Zweige, bei denen die Knospen nur Blätter freigeben, sind äußerst reizvoll, z.B. bei Birken Buchen, Weiden oder Hasel.

Zum Blühen bringen

Mehrere Frostphasen sind schon nötig, damit das Antreiben gelingt. Die Chancen stehen sehr gut, wenn die Gehölze bereits ein winterliches Intermezzo erlebt haben. In sehr milden, bis Anfang Dezember frostfreien Jahren muss man die Zweige dafür in den Kühlschrank oder gar in die Tiefkühltruhe legen. Dann gaukelt man den Zweigen den Frühling vor. Die Zweige werden schräg angeschnitten und in lauwarmes Wasser gestellt. Die Vase kommt in ein kühles bis mäßig warmes Zimmer – im richtigen Frühling wird es auch erst einmal lauwarm. In trockener, überheizter Luft würden die Äste, vor allem die Knospen allzu schnell vertrocknen.

Deshalb ist Geduld angesagt. Das Aufblühen der Knospen dauert eben seine Zeit, man kann es durch mehr Wärme nicht beschleunigen. Tipp: Zweige täglich mit etwas kalkfreiem Wasser besprühen, das sorgt für saftig-frische Knospen. Und das Vasenwasser öfter mal wechseln.

Blüten verheißen Glück

Wenn die Blüten dann wirklich erblühen, durchzieht ein feiner Duft und ein besonderes Strahlen das Haus. Wenn das kein Glück bringt. Noch ledige Mädchen können an jeden Zweig einen Zettel mit dem Namen eines Verehrers hängen. Der Auserwählte wird sein, an dessen Zweig sich die Blüten zuerst öffnen. Aber man kann daraus auch ein Familienspiel gestalten: Jedes Familienmitglied schreibt einen Wunsch auf einen Zettel, dieser kommt jeweils an einen Zweig – und wo sich als erstes Blüten zeigen, dessen Wunsch wird erfüllt.

Ursprünglich gehen die Barbarazweige wohl auf einen Orakelbrauch zurück. Wurden mit Wintereinbruch die Tiere von den Weiden in den Stall getrieben, nahmen die Hirten ein paar Zweige von Bäumen und Sträuchern mit. Diese stellte man ins Wasser und zählte die aufgehenden Knospen. Jede stand für ein Kalb, Lamm oder Zicklein, das im folgenden Jahr zu erwarten war.

Barbaragärtchen

Vorhersage konnte man auch auf den Erntesegen der Zukunft wagen, indem man ein Barbaragärtchen, auch Advents- oder Weihnachtsgärtchen genannt, anlegte. Dafür werden am Barbaratag – andernorts auch am Luzientag am 13. Dezember – Weizen- oder Roggenkörner in eine flache Schale gelegt und feucht gehalten. Bis Weihnachten soll dieser „Garten“ oder das „Feld“ schön grün und gut gewachsen sein. Die frisch aufgegangene Saat steht aber auch für die Hoffnung auf das Wiedererwachen der Natur. Ausbleibende Keimung, gelbe Halme oder gar Verderben der Körner wertete man dagegen mit großer Sorge. Nur gut, dass Weizen und Roggen fast immer problemlos aufgeht – Vogelmiere, Knoblauchsrauke, Gänsefuß und andere Wildpflanzen eignen sich aber auch fürs Gärtchen.

Barbarakraut

Sanctae Barbarae herba, so bezeichnen die Kräuterväter in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Kraut, das heute als Barbarakraut oder Winterkresse bekannt ist und botanisch als Barbarea vulgaris geführt wird. Der Kreuzblütler hat seine Weihen sicherlich schon früher erhalten, denn im gesamten Verbreitungsgebiet in den gemäßigten Zonen taucht die Verbindung von Barbara in den Volksnamen auf, etwa herb barbara, herbe de Saint Barbe, erba S. Barbara, Sinte Barbarakruit, Babarka.

Barbarakraut, Blattrosette im Winter

Der Grund dafür liegt in der wintergrünen Blattrosette des Krauts. Die finden sich vor allem an etwas feuchteren Standorten, entlang von Gewässern, Wegen und Äckern. Die leierförmigen Blätter mit den rundlichen Seiten- und viel größeren Endlappen eignen sich gut zum Essen. Sie spenden viel Vitamin C, beugen damit Skorbut vor, schmecken kräftig bitter-scharf wegen der enthaltenen Senfölglykoside und wirken daher auch antibiotisch. Darum war das Barbarakraut als Wintersalat begehrt, um die allmählich eintönige Kost aufzuwerten. Und zwar vor allem bei Bergleuten, die sich ohnehin nur sehr karg ernähren konnten. Bergknappen, Barbara, Barbarakraut – schnell ist der Zusammenhang erklärt. Zudem kann man mindestens bis zum Barbaratag die saftigen Blattrosetten ernten, oder eben mit dem Barbaratag mit dem Stechen derselben beginnen.

Barbarawurzel

Barbarawurzel oder Barbaras Kraftwurzel nennt man die eigentümlichen Zwiebeln des Allermannsharnischs (Allium victorialis). Diese tragen eine netzartige Hülle um das fleischige, nach Knoblauch riechende Innere, eine Art Schutzhemd. Wer Siegwurz oder Bergknoblauch (andere Volksnamen) isst oder bei sich trägt, braucht Dämonen, Verletzung und Tod nicht zu fürchten. So kam es, dass der Allermannsharnisch bald als helfende Pflanze der Heiligen Barbara beigeordnet wurde. Denn die ist schließlich Schutzheilige der Bergleute und Artilleristen und bewahrt vor Gefahren im Bergwerk und in der Schlacht.

Allermannsharnisch steht unter Naturschutz, deshalb bitte nicht ausgraben – ersatzweise darf man sicher auch auf Steckzwiebeln vertrauen. Die lassen sich ganz einfach auf der Fensterbank antreiben, zu Barbara aufgestellt sind die grünen Röhrenblätter an Weihnachten schon erntereif.

Barbarakisselchen

Nicht selten trifft man an Wildrosenzweigen auf Rosengallen. Die seltsamen Gebilde, auch bekannt als Rosenapfel, Rosenschwamm, Herrgottsbart oder Hexenkissen, sehen aus wie wuschelige, moosartige Bällchen. Es sind die Kinderstuben für die Larven der Rosengallwespe. Nach weit verbreitetem Aberglauben sollte so ein Schlafapfel oder Schlafkunz, unters Kopfkissen gelegt, böse Träume abwehren, oder als so genannter Siebenschläfer für sieben Stunden ruhigen Schlaf sorgen. Auch beim Liebeszauber spielten Rosengallen eine Rolle: Wem der Rosenapfel unbemerkt ins Bett gebracht wurde, wer eine Nacht darauf geschlafen hatte, der war einem auf immer in Zuneigung verfallen.

Weniger geläufig ist, dass die Galläpfel auch der Heiligen Barbara geweiht waren. Sie sollten Gewitter abhalten, denn Barbara gilt als Schutzpatronin vor Blitzschlag und Feuer. Deshalb kamen Rosentriebe mit Galläpfeln in den Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt ebenso wie im Winter nahe an Ofen und Herd.

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