Herbstzeitlose oder Herbstkrokus?

Lila, ein letzter Versuch. Bereits zu Goethes Zeiten kleideten sich unverheiratete Damen, die noch (oder wieder) zu haben, aber nicht mehr jung genug für jugendliches Rosa waren, in Lila. Auch das Jahr ist in die Tage gekommen, nicht mehr ganz taufrisch – und sicher noch für so manche Freuden zu haben. Also trägt auch die Wiese lila – im Blütenkleid. Herbstzeitlosen blühen, zur Unzeit, oder doch nicht?

Nackte Jungfern

Colchicum autumnale, die heimische Herbstzeitlose, trägt ihren botanischen Gattungsnamen nach der Region Kolchis am Schwarzen Meer, wo einst Medea lebte, ihres Zeichen Zauberin und Giftpflanzenexpertin. Als sei sie aus der Zeit gefallen, blüht das Zeitlosengewächs zu einer Zeit, wo andere Pflanzen sich auf den Winter vorbereiten und zur Ruhe zurückziehen. Und dann noch ohne Blätter, also „nackig“. Das Laub erscheint erst im folgenden Frühjahr. Man nennt die anmutigen Blütendamen auch Wiesenlilien, Wilde Zwiebeln oder Wiesensafran – und jetzt wird es spannend!

Drei oder zweimal drei, das ist die Frage

Herbstkrokus (Crocus speciosus) mit DREI Staubblättern

Denn mit der Herbstzeitlose muss man sich auskennen, immerhin gilt sie als eine der gefährlichsten Giftpflanzen. Das in ihr enthaltene Colchicin kann schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen und wirkt krebserregend, in höherer Dosis auch tödlich. Bei den Blättern wissen die meisten inzwischen, wie man sie von denen des Bärlauchs (Allium ursinum) unterscheidet: Herbstzeitlosenblätter stehen ineinander verschachtelt wie in einer Tüte und haben keine Mittelrippe, Bärlauchblätter stehen einzeln und haben eine deutlich fühlbare Mittelrippe. Das Gift steckt jedoch in den Blüten in höchster Konzentration, also wäre es fatal und unter unglücklichen Umständen letal, würde man Herbstzeitlosen jetzt um diese Zeit mit Herbstkrokussen (Crocus speciosus) verwechseln.
Tatsächlich schon passiert: Beide blühen zur selben Zeit, beide sehen sehr ähnlich aus. Aber wer genau hinsieht, weiß es sofort: Herbstzeitlosen haben sechs, Herbstkrokusse nur drei Staubblätter! In Gärten und Parks stehen diese beiden Pflanzen oft nahe beieinander, oder sogar durcheinander. Bleibt die Frage, wer denn die Blüten pflückt und dann auch noch isst?

Verwechselt mit Safran

Safrankrokus (Bild von Johan Puisais auf Pixabay )

Gar nicht so abwegig, denn immerhin liefert ein Krokus das teuerste Gewürz der Welt: Safran (Crocus sativus). Und da hat man mal was gelesen, vielleicht auch bei einem Safranbauern gesehen, wie die solche lila Blüten ernten, die Narben herauslösen und dann zu exorbitanten Preisen verkaufen. Plötzlich entdeckt man lila Blüten, die wie Safran anmuten? Her damit, für ein köstliches Risotto, zum Schnäppchenpreis, sogar kostenlos. Nein, im Gegenteil, so ein vermeintliches Safranrisotto mag die Gesundheit oder sogar das Leben kosten! Erwischt man nämlich Herbstzeitlosen… alles schon passiert.

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