Hunger nach Licht

Hunger nach Licht

NebeltagUnendlich zäh liegt eine dicke Hochnebeldecke über uns. Grau, trüb, dunkel. Das vermiest die Stimmung. Denn alle streben zum Licht, Licht spendet Lebensenergie. Licht steuert die innere Uhr, Licht beeinflusst die Hormonproduktion, Licht macht Laune. Statt im dunklen Zimmer zu sitzen, sollte man viel nach draußen gehen. Draußen ist es einfach heller, das hebt die Stimmung, vertreibt den Winterblues. Klar, das machen wir – aber wie steht es mit den Pflanzen im Haus?

???????????????????????????????????????????????????????????????Pflanzen sind „Sonnenfresser“
Grüne Pflanzen wandeln das Sonnenlicht in ihren Blättern zu Lebensenergie um, produzieren mit Hilfe des Lichts aus Kohlendioxid und Wasser energiereichen Zucker. Damit können sie wachsen. An dunklen Standorten dagegen müssen Pflanzen hungern. Sie können nicht genügend Zucker herstellen. Lichtmangel äußert sich zuerst in einer Verfärbung der Blätter. Sie hellen sich auf, werden fahlgrün. Das Wachstum stockt, das Laub wird abgeworfen. Oft versuchen die Pflanzen verzweifelt, zum Licht zu gelangen, indem sie besonders lange, aber nur sehr dünne und wenig beblätterte Triebe bilden. Sie vergeilen, nennt das der Fachmann. Und wer schon so schwächelt, nimmt jeden weiteren Pflegefehler übel und wird oft Opfer von Spinnmilben, Schildläusen oder Grauschimmel.

Blattstruktur 2Lichtmangel zwingt zur Ruhe
Weil im Winter die Tage ohnehin kurz sind, die Sonne tief steht und nicht die Kraft wie im Sommer hat, an nebelgrauen Tagen das Licht zusätzlich zur Mangelware wird, gehen Pflanzen in die Winterruhe. Auch einsetzende Kälte zwingt sie dazu. Heimische Laubbäume wie Ahorn oder Buche etwa werfen ihre Blätter ab und versinken in eine Art Winterschlaf. Immergrüne Gewächse wie Buchs oder Lavendel, aber auch Rasengräser oder Hauswurz stellen auf Sparflamme um. Manche ziehen sich ganz unter die Erde zurück, etwa Staudenphlox oder Zwiebelblumen.
Im Haus wird die lichtarme Zeit für viele Pflanzen dagegen ein Problem. Es ist warm genug zum Wachsen, es gibt genügend Wasser zum Wachsen. Das lässt die Pflanzen gar nicht richtig zur Ruhe kommen. Viele Zimmerpflanzen stammen zudem aus den Tropen, wo es keine Jahreszeiten gibt. Hibiskus, Zimmerlinde oder Grünlilie legen demnach keine Ruhephasen ein. Wenn aber nicht ausreichend Licht zur Verfügung steht, leiden diese Pflanzen schnell.

Licht wird nicht immer gleich hell empfunden
Unsere Augen sind sehr anpassungsfähig, was Licht angeht. Ohne dass wir darüber nachdenken oder aktiv reagieren müssten, passen sich unsere Sehorgane den jeweiligen Lichtverhältnissen an. Wir können vor dem Fenster, direkt hinter dem Fenster wie auch mitten im Zimmer gut sehen. Ein Platz mitten in einem Zimmer mit großen Fenstern kommt uns sehr hell vor. Aber wie steht das mit Pflanzen?

Dunkelheit, wo für uns Helligkeit herrscht
Können Sie allein mit Ihren Augen wahrnehmen, wo es heller ist – vor dem Fenster oder hinter der Fensterscheibe? Wohl kaum, für unsere Augen ist kein Unterschied feststellbar. Wohl aber für Pflanzen. Fensterscheiben filtern das Sonnenlicht, die Lichtintensität ist schon knapp hinter der Fensterscheibe um fast die Hälfte geringer als draußen. Je weiter man sich vom Fenster entfernt, desto rascher sinkt auch die Helligkeit – und zwar drastisch. In einem halben Meter Entfernung vom Fenster kommen nur noch 30 %, in zwei Metern Entfernung vom Fenstern 10 % des Lichts an. Und das reicht für viele Pflanzen nicht mehr aus, obwohl es uns noch hell vorkommt.

Ein paar Zahlen
Die Beleuchtungsstärke misst man in Lux. An einem wolkenlosen Sommertag beträgt die Lichtintensität im Freien um 100.000 Lux, an einem trüben Tag im Juli um 20.000 Lux, an einem grauen, bewölkten Wintertag dagegen nur noch magere 3.000 Lux. Im Zimmer herrschen in zwei Meter Entfernung nur noch 10 % davon, im Winter also 300 Lux. Eine fachgerecht angebrachte Büroraumausleuchtung weist eine Beleuchtungsstärke von mindestens 500 Lux auf. Das ist für den menschlichen Organismus auf Dauer viel zu wenig, kann eine Winterdepression auslösen. Dann werden Therapien mit Johanniskraut oder das Aufstellen spezieller Lichtquellen empfohlen – die medizinisch angeratene Lichtintensität soll dabei zwischen 2.500 und 10.000 Lux betragen.
Zimmerpflanzen brauchen je nach Art mehr oder weniger Licht, die genügsamsten wie Efeutute, Philodendron, Fensterblatt, Schusterpalme, Drachenbaum, Sanseveria, Usambaraveilchen, Flamingoblume oder Einblatt können bei 300-500 Lux gerade noch überleben – aber nur sehr kümmerlich. 1000 Lux gelten als untere Grenze für ein gesundes Pflanzenwachstum.

FotoMessen statt schätzen
Lassen Sie sich von Ihren Augen nicht täuschen und schon gar nicht Ihre Pflanzen im Dunkeln sitzen. Zimmerpflanzen gehören unbedingt nahe ans Fenster, erst recht während der Winterszeit. Kübelpflanzen, die Sie überwintern, müssen ebenfalls hell stehen, sofern sie ihr Laub behalten. Lassen Zitrusbäumchen oder Zylinderputzer allzu viele Blätter fallen und signalisieren sie damit Lichtmangel, versenken Sie diese in eine Zwangswinterruhe – noch kühler halten! Je kälter der Standort, desto duldsamer erweisen sich Pflanzen gegenüber Lichtarmut.
Einen ganz guten Eindruck von der herrschenden Lichtintensität bekommt man über einen Fotoapparat. Machen Sie doch mal vom Ort, wo Ihre Zimmerpflanzen stehen, ein Bild mit Ihrem Handy oder einer einfachen Digitalkamera, ohne zusätzliche Hilfen wie Blitz oder Funktionen für Aufnahmen im Dunkeln zu verwenden. Wird das Bild scharf und klar, sind die Lichtverhältnisse gut. Erscheint das Bild dagegen stark körnig, wird gar das Zuschalten von Blitz angefordert, ist es doch ziemlich dunkel, zu dunkel für Pflanzen.
Die Lichtverhältnisse kann man natürlich auch technisch exakt prüfen. Im Fachhandel gibt es Luxmeter zu kaufen, Preis ab € 30. Mit einem Fotoapparat, der einen Belichtungsmesser hat, geht es annäherungsweise auch. Lichtempfindlichkeit auf ASA 100 und Blende auf 4 einstellen, den Belichtungsmesser auf ein weißes Papier in Pflanzennähe richten und die Zeit einstellen, die zum Fotografieren nötig würde. Den Nenner der Verschlusszeit multipliziert mit 10 ergibt grob die Luxzahl (Beispiel: bei einer Verschlusszeit von 1/100 herrschen ungefähr 1000 Lux).

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