Waldmeister – Wonnetrank im Wonnemonat

Ein Kraut des Frühlings

Kurz vor der Blüte ist der Waldmeister in seiner besten Phase, jedenfalls aus menschlicher Sicht. In seinen filigranen Blättchen steckt ein herrlicher Duft, der aber erst geweckt werden muss. Das Cumarin, das den Waldmeister so typisch riechen lässt, wird erst frei, wenn die Pflanzen welken. Der fränkische Dichter Friedrich Schnack (1888-1977) beschreibt es so: „Der Waldmeister lebt erst nach seinem Tode wahrhaft auf. Wenn die Pflanze dahingewelkt ist, spendet sie den Hauch ihres Opfers: prickelnden, in Wein geborenen Maienduft…“.

In Wein lässt sich das Aroma perfekt einfangen, der leichte Alkoholgehalt sorgt dafür. Ebenso fördert kohlensäurehaltige Flüssigkeit wie Sekt, dass der typische Waldmeisterduft entsteht. Das wusste schon der Mönch Wandalbertus von der Benediktinerabtei Prüm in der Eifel, denn er rät: „Schütte perlenden Wein auf das Waldmeisterlein“, das gilt als erster Vermerk für das Rezept der Maibowle. Das Getränk wirkt leicht euphorisierend und steigert die Durchblutung, weckt also Frühlingsgefühle und macht beschwingt, wie der Tanz in den Mai (wobei die Mönche natürlich die Stärkung von Herz, Milz und Leber im Sinn hatten). Nicht von ungefähr trug man in der Freinacht einen Waldmeisterkranz ums Handgelenk, nennen die Engländer den Waldmeister auch „kiss me quick“.

Einen Schwipps trank man sich mit der Waldmeisterbowle gerne an, hatte gegen die gesteigerte Bereitschaft für einen Flirt oder weitere Wonnen nichts einzuwenden. Unliebsame Nachwirkungen am nächsten Tag allerdings brachten die Maibowle in Verruf. Der Schuldige für Brummschädel und Katzenjammer war schnell gefunden: Waldmeister. Tatsächlich kann Waldmeister im Übermaß genossen Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Die wahre Ursache für den Kater lag aber meistens im Wein und Sekt, der nicht von allerbester Güte gewählt und von dem schlichtweg zu viel konsumiert worden war.

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