Und schon bricht Weihnachten über uns herein

Und schon bricht Weihnachten über uns herein

Wie arm sind all die Leute dran, die höchstens noch in Geschäften bemerken, welche Jahreszeit wir gerade haben. Kaum sind die Sommerferien rum, klingen die Glocken nie süßer, stapeln sich Lebkuchen, glitzern Christbaumgirlanden in Kaufhäusern, Baumärkten, Gartencentern, bei Discountern und sogar beim Marktstand um die Ecke. Oh Schreck, Weihnachten ist nah!

Wer will denn das? Auf Nachfragen, warum denn schon Ende August (draußen herrscht oft noch brütende Hitze – die Hundstage!), spätestens aber mit dem kalendarischen Herbstbeginn im September der Rummel um Adventskalender, Christstollen und Weihnachtsbaumkugeln beginnt, antworten die Verantwortlichen, das verlange die Kundschaft so. Ach?

Ich zähle mich auch zur Kundschaft, und ich will es nicht so. Und merkwürdigerweise stören sich auch alle, mit denen ich darüber spreche, ebenso daran. Und auch solche, mit denen ich nicht persönlich rede, empfinden das als völlig hirnrissig – siehe etwa den Artikel „Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?“ von Renate Blaes im Blog „Nie wieder jung!?“ bei Brigitte – unbedingt nachlesen, hier. Eben. Wo also ist die Kundschaft, die schon kurz nach Ostern Weihnachten feiern will – sorry, da liegt ja noch das Oktoberfest dazwischen – ich vergaß.

Im Rhythmus der Natur

Und dabei braucht man doch bloß einen Blick aus dem Fenster werfen. Wir haben Herbst – Erntezeit – die Äpfel leuchten von den Bäumen, die Blätter färben sich bunt, Drachen steigen im Wind. Soll das übergangen werden, weil damit kein Konsum anzukurbeln ist? Auch Halloween rückt schon mal vor, statt an einem Abend Ende November feiert ganz Deutschland diesen Kürbiskram monatelang ab Spätsommer. Haben wir nichts anderes zu tun?

Wo doch der Herbst eine wunderbare Jahreszeit mit eigenen Reizen und Ritualen ist, mit Erntedankfest und Kartoffelfeuer, mit Kirchweih und Quittengeleekochen. Wer erinnert sich denn schon noch, dass jetzt die hohe Zeit des Wurzelgrabens anbricht? Löwenzahnwurzeln für koffeinfreien Kaffee, Beinwellwurzeln für eine Heilsalbe, Nelkenwurz als Aromaspender, Brennnesselwurzeln für Stärkungszwecke, Steckrüben für Eintopf, Meerrettich zur Schärfung… Weihnachten kommt noch früh genug. Genießen wir doch erst mal den Herbst! Mit allen Sinnen!

2 Kommentare
  • Am 24. September habe ich die ersten Weihnachtsplätzchen entdeckt – hier bei uns im Dorf, in einem Supermarkt.
    Ich finde auch, dass wir erst mal den Altweibersommer genießen sollten. Weihnachten kommt schnell und früh genug.
    Herzlicher Gruß von Renate Blaes

    9. Oktober 2008 um 17:03

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