Oster-Spaziergang

Oster-Spaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück…

Halten wir es mit dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, der Faust auf den wohl berühmtesten Spaziergang zu Ostern schickt. Suchen wir das grüne Glück! Nie lockt es mehr nach draußen als im Frühling. Kommen Sie mit auf eine Kräuterwanderung rund um das Schlossgut Odelzhausen im idyllischen Tal der Glonn und dem herrlichen Hohenzeller Wald. Entdecken Sie mit mir die vielen Schätze entlang des Weges. Frühlingskräuter, Frühlingsblüten, Frühlingslaub voller Duft und Würze, mit Heilkraft und anderen Qualitäten. Osterblumen und Hasenbrot, Eiersuchen, Eierlaufen, Eierrollen inklusive! Termin 1: Ostersonntag, den 8. April 2012 von 14.30 Uhr bis ca. 17.00 Uhr
Termin 2: Ostermontag, den 9. April 2012 von 14.30 Uhr bis ca. 17.00 Uhr
Treffpunkt: Schlossgut Odelzhausen, Am Schlossberg 1, 85235 Odelzhausen auf der Terrasse vor dem Schalander
Wegstrecke: rund 4 Kilometer
Kosten: Erwachsene € 7,50 / Kinder € 3,–
Anmeldung nicht erforderlich. Für Familien geeignet.
Bitte auf angemessene Kleidung und festes Schuhwerk achten.

Und wer den Osterspziergang nochmal lesen und genießen möchte, poetisch, hier ist er:

Vom Eise befreit…

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt’s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finsteren Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häusern dumpfern Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straße quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle an’s Licht gebracht.

Sie nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit‘ und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein;
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Johann Wolfgang von Goethe
Monolog des Faust, Osterspaziergang, aus: Faust I, Vers 903-940, 1808

2 Kommentare
  • Maria
    Antworten

    Der Spaziergang am Ostersonntag war wunderschön, unterhaltsam und wie erwartet sehr informativ.
    Ostern ist ja ein christliches Fest und für mich hat so ein bewusster Gang durch die Natur mindestens genauso viel mit Glauben zu tun, wie ein Kirchenbesuch.
    Für Kurzentschlossene – packt Euch warm ein und geht heute mit!

    9. April 2012 um 10:12

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