Der Giersch im Gedicht

Der Giersch im Gedicht

GierschKaum zu glauben: Der Giersch hat dem Lyriker Jan Wagner mit seinem Band „Regentonnenvariationen“ in diesem Jahr zum Leipziger Buchpreis in der Kategorie Belletristik verholfen. Giersch as its best!

Jan Wagner: giersch

nicht zu unterschätzen: der giersch
mit dem begehren schon im namen – darum
die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch
wie ein tyrannentraum.

kehrt stets zurück wie eine alte schuld,
schickt seine kassiber
durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,
bis irgendwo erneut ein weißes wider-

standsnest emporschießt. hinter der garage,
beim knirschenden kies, der kirsche: giersch
als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch

geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch schier
überall sprießt, im ganzen garten giersch
sich über giersch schiebt,ihn verschlingt mit nichts als giersch.

Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Hanser Verlag

 

1 Kommentar
  • Rita Wienkotte
    Antworten

    Da fällt mir nichts mehr zu ein…

    5. Februar 2018 um 12:00

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