„Beeren“ für alle Schnäbel

Sorbus aucuparia 2Vogelbeeren! Alle gönne ich den Piepmätzen und Knabbermuckeln nicht. Ich muss mich sputen, damit ich überhaupt etwas ergattern kann. Bald hängt nichts mehr am Baum! Also pflücke ich beizeiten. Einen Teil trockne ich, fürs Vogelfutter (siehe Beitrag gestern), aber ich bin auch ein bisserl egoistisch und gebe nicht alles den Vögeln zurück.
Das Kauen von getrockneten Vogelbeeren hält die Stimmbänder geschmeidig und schützt sie vor Entzündungen. Das wissen vor allem große Sänger und Redner. Druidenperlen nennt sie Gisula Tscharner in ihrem Buch „Hexentrank und Wiesenschmaus“. Ich singe zwar nicht, aber ich spreche viel, schon aus beruflichen Gründen. Also stehen ein paar getrocknete Vogelbeeren stets in Griffbereitschaft. Beim Kauen spürt man deutlich ihre Säure, das macht lustig, und lässt den etwas unlustigen Bittergeschmack fast vergessen.
Denn wer je eine Vogelbeere frisch vom Baum probiert hat, weiß, was bitter ist. Da zieht es einem schon kräftig die Backen zusammen. Roh sind Vogelbeeren auch nicht sonderlich bekömmlich, wegen der Parasorbinsäure (welche die Bitterkeit der Früchte wesentlich mitbestimmt). Das ist sicher der Grund, warum Vogelbeeren weithin als giftig verschrien sind – wobei sie für eine Verwendung als „Schwiegermutter-Ex“ kaum taugen. Durch Trocknen und Kochen wird dieser Stoff weitgehend zerstört und damit unwirksam.

2 Gedanken zu „„Beeren“ für alle Schnäbel“

  1. Also, ich habe dieses Jahr zum ersten Mal Ebereschenmarmelade mit Äpfeln und Bananen gemacht. Gefühlte Tonnen Zucken dran gemacht. Da war nix zu spüren von „die Bitterkeit geht weg“. Man kann es essen, es ist aber nicht wirklich empfehlenswert. Ich werd es ganz bestimmt nicht gleich wieder machen, wenn überhaupt und dabei hatte ich sie auch vorher noch gefrostet. War überhaupt kein Unterschied zu nicht eingefrosteten Beeren festzustellen.

    LG Petra K.

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    • Liebe Petra, ein paar Hinweise zu Deinem ausführlichen Kommentar:
      1. Ich habe nie gesagt, dass die Bitterkeit der Vogelbeeren verschwindet – vielmehr hängt es entscheidend vom Baum, vom Standort, von der Witterung ab, wie bitter bzw. süß Ebereschen schmecken.
      2. Die Bitterkeit lässt sich durch Einfrieren oder Einlegen in Essigwasser auch meiner Erfahrung nach kaum reduzieren, am ehesten hilft noch Rösten.
      3. Zucker hilft überhaupt nicht, um die Bitterkeit zu übertünchen – soll er auch gar nicht!
      4. Das Bittere gehört untrennbar zu den Vogelbeeren – man muss es einfach akzeptieren.
      5. Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund – lautet eine alte Weisheit. Nicht von ungefähr…
      6. Bitterstoffe wirken übrigens als natürliche „Appetitzügler“, gelten als „fatburner“ (kurbeln Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle an), verbessern die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen, wirken entsäuernd und tonisierend, gelten als „Mutmacher“, werden sogar unterstützend bei Depressionen eingesetzt.
      7. Bitterstoffpflanzen gehören zu den ältesten und wertvollsten Heilpflanzen der Menschheit.
      8. Nur weil wir heutzutage kaum noch Bitterstoffe in unseren Lebensmitteln haben (weil herausgezüchtet, unter allen Umständen vermieden) und „bitter“ als unerwünschte Geschmacksrichtung verpönt ist, sollte man sie nicht ablehnen – sondern sich besser wieder mit Bitterstoffen vertraut machen.
      Also gib den Vogelbeeren bitte wieder eine Chance!

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