Gibt’s fast überall, aber kaum einer kennt’s

Gibt’s fast überall, aber kaum einer kennt’s

Foto: Helmholtz Zentrum München, Dr. Stephan Dräxl: Arabidopsis thaliana in hydroponischer Anzucht

Sensationell: Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana). Im Acker, im Garten, auf sandigen Randstreifen weithin verbreitet und überhaupt nicht selten, und doch nimmt kaum jemand Notiz von diesem Pflänzchen. Biologen, vor allem Genetiker, dafür umso mehr, aber im Labor. Nicht zuletzt auch das Helmholtz-Zentrum München. Von dort stammt das Foto, das in meinem neuen Bayern 1-Buch „77 Pflanzensensationen“ ein Kapitel schmückt (danke dafür!). Ein „Unkraut“ – aber was ist so sensationell daran?

Erstmals beschrieben wurde die Ackerschmalwand im 16. Jahrhundert durch den Arzt und Botaniker Johannes Thal (1542-1583) im Harz. Ihm zu Ehren trägt die Pflanze den botanischen Artzusatz thaliana. Das unscheinbare Pflänzchen war die erste Art überhaupt, an der man im Jahr 2000 das Erbgut komplett entziffert hat.

Die Entschlüsselung des Genoms von Arabidopsis (das mit nur fünf Chromosomen und rund 25.000 Genen im Vergleich zu Weizen mit 96.000 Genen auf sechs sehr klein ausfällt) kostete um die Jahrtausendwende fast 100 Millionen US Dollar. Heute beträgt der Preis für eine Sequenzierung bloß mehr ein Zehntausendstel davon, also um 10.000 US Dollar.

Was Edith Schowalter und mich aber besonders fasziniert hat: Die Ackerschmalwand war auch die erste Pflanze, die das Weltall erobert – schon 1982 wurden sieben Samen von ihr an Bord der sowjetischen Raumstation Saljut in der Schwerelosigkeit zum Keimen gebracht.

buch_77pflanzensensationenNoch mehr Sensationen? 76 weitere gibt es im Buch „77 Pflanzensensationen“, erschienen bei DVA, € 19,99 – erhältlich im Bayern 1-Shop, bei DVA oder Buchhandel.

1 Kommentar
  • Frank
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    Ein kluges Pflänzchen dazu. „Das haben Schweizer Wissenschaftler in Untersuchungen an der Ackerschmalwand herausgefunden. Um sich an Stresssituationen besser anpassen zu können, erhöhen die Pflanzen die Geschwindigkeit, mit der sich ihre Gene verändern, beobachteten die Forscher. Diese höhere so genannte Mutationsrate geben die Pflanzen auch an ihre Nachkommen weiter.“ http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/1024046/

    8. November 2015 um 21:10

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