Veilchen-Geschichten

Schon blühen die ersten März- oder Duftveilchen (Viola odorata). Und duften weithin. Jedes Jahr wieder sehnsüchtig erwartet und leidenschaftlich geliebt. Über die kleinen Blümchen gibt es vielerlei zu erzählen.

Blaue Violen

Botanisch tragen die anmutigen Pflanzen, die in so manchem Poesie-Album (Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein. / Dem kleinen Veilchen gleich, das im Verborg’nen blüht, sei immer fromm und gut, auch wenn dich niemand sieht.) verewigt sind, den Namen Viola odorata. Der Artzusatz odorata bedeutet duftend. Viola ist die lateinische Bezeichnung für mehrere Pflanzen, meist mit duftenden Blüten, so etwa viola alba für die Levkoje, viola lutea für den Goldlack oder eben viola purpurea fürs Duftveilchen.

Zu dick aufgetragen

Viola hat aber auch etwas mit der griechischen Mythologie zu tun. Zeus verwandelte aus Furcht vor seiner eifersüchtigen Gattin Hera seine Geliebte Io in eine Kuh, die bald weiß, bald schwarz und dann wieder veilchenfarbig (ob daher die lila Schokoladen-Kuh kommt?) erschien. Aus der grünen Weide machte er eine Veilchenwiese für seine Gespielin – aber das war dann doch des Guten zuviel. Der Schwindel flog auf, Hera verlangte die Kuh als Geschenk und ließ sie von Argos (Riese mit den besagten 100 Augen) bewachen. Bis heute hütet mancher Gärtner mit Argos- oder Argusaugen seine Violen, damit sich keine gefräßigen Schnecken daran vergreifen.

Unerhört verführerisch

Veilchen symbolisieren wie so viele Frühblüher Jugend und Hoffnung, durch seinen Duft wird das Veilchen aber ebenso zum Zeichen der Liebe. Wer kann Veilchenduft schon widerstehen? Im antiken Griechenland pflegte man ganze Gärten voller Veilchen, diese galten als Blumen der Liebe. Mit Veilchen hat dem Mythos nach sogar der unsagbar hässliche Hephaistos oder Vulcanos, Gott des Feuers und der Schmiede, die schöne Aphrodite betört. Er erfand das erste Männerparfüm, rieb sich mit Veilchenduft ein und riss die schaumgeborene Göttin der sinnlichen Begierde dazu hin, ihn zu ehelichen. Aphrodite ist demnach die Veilchenbekränzte oder Veilchenhaarige.

Veilchenblaue Beziehung

Napoleon Bonaparte schenkte seiner Gattin Josephine, die ihn in einem veilchengeschmückten Kleid geheiratet hatte, zu jedem Hochzeitstag einen Strauß Veilchen, selbst von den Schlachtfeldern. Das Veilchen wurde später zum Emblem der Bonapartisten, hatte Napoleon doch unter dem Decknamen „Corporal Violette“ seinen Anhängern mitgeteilt, dass er mit den Veilchen wiederkomme. So rasch Veilchen verblühen, kam schließlich auch das Ende – doch fand man bei Napoleon später ein Medaillon mit einer Locke von Josephine zusammen mit Veilchenblüten von ihrem Grab. Veilchenhochzeit haben Napoleon und Josephine nie gefeiert, denn damit bezeichnet man den 13. Hochzeitstag. Wenige Monate vorher wurde das kaiserliche Paar geschieden.

Violette Träume

Für den Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud Freud waren Veilchen ein Symbol für Sex. Er berichtet von einer Patientin, die bald heiraten wollte und von violets (englisch für Veilchen) träumte, was Freud als Bezug zu violate (verletzen) und violation (Vergewaltigung) deutete.

Lila Diät

Kaiserin Sisi hatte ebenfalls eine besondere Beziehung zu Veilchen. Für eine schlanke Linie hielt sie strenge Diät. Zwei Orangen und Veilchensorbet waren alles, was sie sich viele Tage gönnte, eventuell noch ein paar kandierte Veilchen. Das Gefrorene in Violett mit Duft diente vielleicht aber auch dazu, beim Toilettengang keinerlei unschicklichen Gerüche zu verbreiten – denn Veilchenduftstoffe gehen unverdaut durch den Körper.

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