Oster-Pflanzen

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück…“ und „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…“: Ob Goethes Osterspaziergang oder Eduard Mörikes Frühlingsgedicht, alle streben Ostern ins Freie, um die Natur zu genießen. Schon immer zeigen sich die Menschen dabei von Frühblühern fasziniert. Viele Pflanzenarten haben wegen ihrer Blütezeit rund um Ostern deshalb auch österliche Namen erhalten, allen voran die Osterglocke. Damit wird gleich eine ganze Reihe von Pflanzen tituliert: An erster Stelle stehen wohl die goldgelb blühenden Trompetennarzissen (Narcissus pseudonarcissus). Man mag es kaum glauben, die Zwiebelblumen sind sogar heimisch. Sie kommen aber nur noch selten vor, z.B. in der Eifel und im Hunsrück, deshalb steht die auch Gelber Narziss genannte Osterglocke auch streng unter Naturschutz. In Bayern trifft man gelegentlich kleine Bestände von ausgewilderten Gartenformen, die gerne als Märzenbecher bezeichnet werden. Um die Verwirrung komplett zu machen, trägt der Märzenbecher (Frühlings-Knotenblume, Leucojum vernum) wiederum den Namen Osterglocke.

Symbolträchtig

Eine glockige Blütenform verlieh auch den Schachbrettblumen (Fritillaria meleagris) wie den Schlüsselblumen (Primula veris, Primula elatior) dieselbe Bezeichnung. Zu den Osterglocken zählen – wie alle übrigen geschützt – ebenso die Küchenschellen (Pulsatilla), die man schon deshalb nicht pflücken darf, weil sonst die Hühner keine Eier mehr legen. Hühnchen und Hähnchen werden dann auch nicht helfen, denn damit ist der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) gemeint: In einem Bestand kommen häufig weiße wie rötliche Blüten gleichzeitig vor. In Bezug auf die Blütezeit gab das Volk dem Lerchensporn den Namen Osterhasel, Osterhansel oder Osterhäschen.

Auferstehungsblume

Zwar als Kinderpflanze wie als Unkraut jedem bekannt, aber kaum einem als Osterpflanze geläufig ist der Löwenzahn (Taraxacum officinalis). Im Mittelalter verehrte man den Löwenzahn als Pflanze gewordenen „leo fortis“, den starken Löwen Jesus Christus. Mit seinen leuchtend gelben Blütenköpfen erinnert er an die Sonne, deshalb Sonnenwirbel oder Sonnenbraut genannt. Er steht als Symbol für die aufgehende Sonne, für die Auferstehung. Sein Milchsaft wird als Zeichen der bitteren Wahrheit oder als das vergossene Blut gedeutet. Der Fruchtstand, die Pusteblume versinnbildlicht Tod und Auferstehung, der fedrige Kopf trägt bis heute den schönen Volksnamen Lichtlein. Und wer von ihm die Fallschirmfrüchte wegbläst, kann sehen ob er in den Himmel oder in die Hölle kommt. Zeigt sich der kahle Korbboden weder hell noch schwarz, sondern trägt nur einige dunkle Flecken, bleibt es beim Fegefeuer.

Österliche Grünkost

Wiesenkerbel

Nicht nur Buntes ziert das Osterfest. Ein beliebtes Kraut war früher um die Zeit der Ostersalat, nach seiner Blattform auch Hasenohr genannt. Gemeint ist der Feldsalat (Valerianella locusta), den man früher nicht den ganzen Winter über aus dem Glashaus erntete, sondern die Blattrosetten im Frühjahr vor allem von Schafweiden und Wiesen stach. Für die Bereicherung der Ostertafel mag auch das Osterbäumlein dienen, das als Eselspeterlein, Rosskümmel oder Buschmöhre – so weitere Trivialnamen – die Petersilie oder andere Kräuter ersetzt. Gemeint ist der Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris), das Hasenkraut und Gackelegras, dessen filigrane Blättchen als Ostereierdekor sehr beliebt sind.

Pendant zum Weihnachtsbaum

Bild: Alexandra auf Pixabay

Zum guten Schluss soll noch der Osterbaum erwähnt werden, der einer alten Tradition folgt, zu Ostern einen Baum im Garten, einen Obstbaum auf der Wiese, heutzutage eher einen Strauß Zweige in der Vase oder ein Holzgestell mit bunten Eiern zu behängen. Weltweites Aufsehen hat ein Apfelbaum im thüringischen Saalfeld mit mehr als 10.000 Eiern erlangt. Im Guiness Buch der Rekorde hält eine Eiche im Zoo von Rostock mit über 75.000 Eiern. Der Brauch geht wie so viele andere auf den Respekt der Natur gegenüber zurück, denn mit den Fruchtbarkeitssymbolen wollte man die Bäume ehren. Und obwohl der April, der laut Wetterregeln nicht weiß, was er will, ein gefährlicher Monat ist (die Bäume schlagen aus, die Kaninchen werfen, der Salat schießt, die Sonne sticht) – gehen Sie hinaus ins Freie, genießen Sie das frische Grün, freuen Sie sich an bunten Blüten und holen Sie doch das ein oder andere Wildkraut in Ihre Küche – das ist wahre Pflanzenlust!

2 Gedanken zu „Oster-Pflanzen“

  1. Ein wunderbarer Gartenblog. Ich verbinde mit Frühling immer das setzen und aufblühen im Garten. Die Sonne kommt wieder heraus, es wird wärmer und man kann endlich in den Garten…

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  2. das allererste, auf was ich mich im Frühjahr freu ist mein aller erster Wildkräutersalat, hmmmm, heuer gab es ihn schon – die jungen Gierschtriebe zusammen mit Wiesenraute ein paar Löwenzahnblätter und Gänseblümchen waren schon erntereif und durften zum geschnittenen Salatherzen. Leider schneit es gerade wieder, aber es wird wieder warm udn die Sonne kommt auch wieder, dann werden die geliebten Kräutleins sprießen. Schließich fehlen noch Schafgarbe, Knoblauchsrauke usw.usf.

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