Nicht was Ihr denkt, ich spreche hier nicht von Wackelpudding, weder mit Waldmeister-, Himbeer- noch mit Zitronengeschmack. Auch nicht direkt von der Speise der Götter gemäß der griechischen Mythologie, die den himmlischen Mächten vorbehalten war und zusammen mit Nektar für immerwährende Jugend und Unsterblichkeit sorgte: Ambrosia. Ambrosia bedeutet unmittelbar Unsterblichkeit, bezeichnete neben der göttlichen Nahrung aber auch ein Salböl bzw. eine allheilende Salbe, die wunderbar duftet. Aufgrund des intensiven Wohlgeruchs hat sich wohl Carl von Linné inspiriert gefühlt, die Pflanzengattung der Traubenkräuter Ambrosia – die Unsterblichen – zu benennen.
Unter vielen Namen
Geläufige Volksnamen stellen die Gewächse aus der Familie der Korbblütler in ein anderes Licht. Hier bei uns steht unter den Ambrosien das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) im Mittelpunkt, ebenso Beifuß-Ambrosie, schlicht Traubenkraut oder kurz Ambrosie genannt. Die Blattgestalt führte zum Namen Wilder Hanf. Verbreitet ist die Bezeichnung Ragweed, was übersetzt Lumpenkraut bedeutet.
Invasiver Neophyt aus Nord-Amerika

Die ursprüngliche Heimat vom Ragweed liegt in den östlichen USA. 1763 soll das Beifußblättrige Traubenkraut erstmals im Garten von Lyon kultiviert worden sein. Es wurde aber wohl schon früher mit landwirtschaftlichen Produkten nach Europa eingeschleppt. Weil weder das Kraut noch seine Samen nicht gut mit Kälte zurecht kamen, blieb das einjährige Kraut lange Zeit bedeutungslos.
Um die Jahrtausendwende änderte sich das grundlegend. Zunächst begünstigten längere Vegetationsperioden, dass wegen der späten Blütezeit die Früchte reif werden konnten. Dann wurden durch spontane Mutation die Samen frostverträglich, zudem bleiben sie Jahrzehnte lang keimfähig, was einer exponentiellen Ausbreitung des Ragweeds Tür und Tor öffnete. Verbreitet über Vogelfutter, aber auch durch Erde, Vögel oder Autos konnte sich die Art weithin ausbreiten. Heute ist sie in ganz Deutschland, ganz Mitteleuropa zu finden – sehr oft in Massenbeständen.
Autobahn-Begleitgrün

Waren Gärten lange Zeit die Haupt-Lebensräume der Ambrosie, sind es heute neben Schnittblumenfeldern, Schuttplätzen, Ödland, Kiesgruben und Baustellen vor allem Straßenränder. Gar nicht so selten wachsen die Pflanzen wie gesät entlang der Autobahnen. Was kaum jemand bemerkt, denn wer kann schon die Pflanzen am Rand- oder Mittelstreifen bei der gefahrenen Geschwindigkeit identifizieren? Mir ist es auch erst gelungen, als ich im Stau stand.
Echt schlecht, denn die Ambrosie ist ein hochaggressiver Allergie-Auslöser. Die Pollen (eine Pflanze kann in ihren männlichen Blütenkörbchen bis zu einer Milliarde davon produzieren) verursachen Heuschnupfen und Bindehautentzündungen, nicht selten aber auch Asthma. Rund 15 % der Bevölkerung reagiert auf Ambrosia-Pollen sehr sensibel. Leider auch immer mehr Menschen, die sonst mit Heuschnupfen keinerlei Probleme haben.
Extrem aggressiv

Besonders unangenehm: In Kombination mit Stickoxiden verstärkt sich die Wirkung – eine Fahrt auf der Autobahn ohne gut funktionierenden Pollenfilter oder gar im Cabrio kann da schon problematisch werden. Bereits sechs Blütenstaubkörnchen in einem Kubikmeter Luft können bei empfindlichen Menschen Allergieschübe auslösen (bei Gräsern sind es 20, bei Kräutern 50, bei Bäumen 90 oder mehr).
Was tun? Melden!
Seit 2007 gibt es in Bayern ein Aktionsprogramm zur Ambrosia-Bekämpfung. Hier gibt es auch Meldeformulare für Vorkommen, Hinweise zur Bekämpfung sowie eine umfassende FAQ-Liste.
Auch andere Bundesländer sowie Kommunen haben Maßnahmen inklusive Meldestellen zur Bekämpfung der Ambrosie, etwa Berlin oder Baden-Württemberg. Sehr ausführliche Informationen gibt es hier: http://www.ambrosiainfo.de/ Auch hier kann man unabhängig vom Bundesland Ambrosia-Bestände melden: http://www.ambrosiainfo.de/kontakt.html. Ebenso weiterführend sind die Seiten vom Julius-Kühn-Institut: https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ambrosie-1-312.html
Richtig hinschauen
Bitte nicht verwechseln! Bevor irgendwelche Pflanzen verdächtigt, ausgerissen, gemeldet werden – genau bestimmen! Gewöhnlicher Beifuß (Artemisia vulgaris) hat dunkelgrüne, unterseits silbrige Blätter. Beim Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) ist das Laub feiner gefiedert und heller grün. Der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album) hat ungeteilte, glatte, aber bemehlte Blätter.
Noch mehr dazu hier im Blog: https://www.pflanzenlust.de/achtung-ambrosie-ragweed-traubenkraut/