Wer im Sommer vormittags von A nach B fährt, dem leuchten oft hunderte himmelblauer Blütenaugen entgegen. Wegwarten! Die warten nämlich schon lange nicht mehr nur an unbefestigten Wegen, sondern haben sich die Randstreifen von Verkehrsachsen als Lebensraum erobert. Wie kommt’s, dass dieser Korbblütler mit botanischem Namen Cichorium intybus unsere Landstraßen und Autobahnen ziert?

Die Wegwarte ist eine typische Vertreterin der Wegrand- und Trittpflanzengemeinschaften. Sie kommt wie Vogel-Knöterich (Polygonum avicularis), Breit-Wegerich (Plantago major), Quecke (Agropyron repens), Acker-Winde (Convolvulus arvensis), Wilde Möhre (Daucus carota) oder Echter Steinklee (Melilotus officinalis) an Stellen vor, wo der Boden eher trocken sowie in der Regel stark verdichtet ist.

Noch dazu hilft der Wegwarte, dass sie mit Salz gut zurecht kommt. Genau das verschafft ihr einen Vorteil gegenüber vielen anderen Pflanzen: Dank starker, tiefreichender Pfahlwurzel kommt sie noch in größeren Tiefen an Wasser. Dort muss nicht gegen die starke osmotische Kraft der salzreichen Erde ankämpfen und widersteht der Trockenheit an den von Streusalz überfrachteten Straßenrändern sehr gut. Ihre kleinen Früchte finden auf gestörtem Boden zwischen lückigen Pflanzenbeständen, wie es ihn auf den Banketten immer gibt, super Gelegenheiten zum Keimen.
Müssen wir die Weg-Warte, die immer seltener am Weg wartet, vielleicht in Straßen-Warte umbenennen?

Der Salztoleranz ist also zu verdanken, dass uns die Blütenkörbe mit dem unvergleichlich hübschen Blau heitere Gedanken herbeizaubern – denn wer kann da schon muffig bleiben, wenn er all die vielen Blüten leuchten sieht!
