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Jetzt ernten: Engelwurz

Berühmt ist die Engelwurz für ihre Wurzel, die mit ihren ätherischen Ölen und Bitterstoffen bei Magen-Darm-Beschwerden hilft oder in Form einer Salbe als Brustbalsam bei Erkältungen dient. Die dicken Stängel und Blattstiele werden gerne kandiert und als Verdauungshilfe oder bei Husten gekaut. Aber die Früchte?

Als Arzneipflanze ist die Erz-Engelwurz (Angelica archangelica) im Fokus, aber die heimische Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) liegt mir näher. Weil ich im Garten keine Erz-Engelwurz durchbringe (absolutes Schneckenfutter!), dafür aber in meinem Umfeld jede Menge Wald-Engelwurz finde. Die Hauptblütezeit dieses Doldenblütlers ist vorbei, aber es gibt herrliche Fruchtstände. Um diese späte Jahreszeit besteht auch kaum noch Gefahr durch den phototoxischen Pflanzensaft, der die Haut lichtempfindlich machen kann. Die Früchte (nicht Samen, wie es immer wieder fälschlich heißt) zu ernten ist aber unproblematisch. Ich ernte sie gerne, am besten noch nicht ganz ausgereift, indem ich ganze Dolden direkt über einer Tüte abschneide. Fasziniert von ihrer extravaganten Gestalt, stelle ich mir ein paar Dolden in die Vase.

Aber ich mag auch den Geschmack. Hocharomatisch, leicht süßlich, aber auch bitter, an Sellerie, Anis und Kardamom erinnernd. Sie regen die Verdauung an und wirken immunstärkend. Engelwurzfrüchte kommen bei mir gerne zur Würze in Birnenkompott oder Kürbisgerichte. Man verwende sie sparsam!

Getrocknet dienen mir die abgeflachten Spaltfrüchte als Gewürz für Gebäck in der Winterzeit, etwa für Plätzchen, z.B. Wilde Kipferl oder Baisersterne. Ein Tee (Heißaufguss) aus den Früchten gilt als nervenberuhigend und kräftigend bei Erschöpfung.

Bei ausgewachsenen und in Frucht stehenden Wald-Engelwurzen lohnt es nicht, noch nach den Wurzeln zu graben. Im Allgemeinen sind die Pflanzen zweijährig, d.h. im ersten Jahr bilden sie nur Blätter und eine kräftige Pfahlwurzel, aus der im Folgejahr der Spross mit Blüten empor wächst. Doch dann ist der Keller leer, die Speicherstoffe aus der Wurzel sind aufgebraucht. Um qualitativ hochwertige Wurzeln zu erhalten, wartet man aber besser noch, bis sich die Pflanzen zurückziehen, sprich oberirdisch vergilben und absterben.

Aber man sieht jetzt schon um, wo junge Pflanzen wachsen – erkennbar an ihrem charakteristischen, engelsflügelartigen Blattbild und den roten Ringeln auf der Rückseite. Bitte bescheiden bleiben – niemand sollte bemerken, dass man etwas vom Bestand entnommen hat.

Ich habe ein ganzes „Feld“ von Wald-Engelwurzen entdeckt, da darf ich mit gutem Gewissen eine Pflanze ausgraben.

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2 Kommentare zu „Jetzt ernten: Engelwurz“

  1. Liebe Karin, ich bin in der glücklichen Lage, dass bei mir hier in Norwegen die Waldenfelwurz in Mengen wächst (bei den Norwegern nicht so beliebt) und ich habe mittlerweile große Mengen an Erzengelwurz im Garten. Da kann ich in diesem Jahr auch Wurzeln ernten, sonst wird es nächstes Jahr zuviel mit Pflanzen.

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