Ein Veilchen, das nicht aus den Alpen kommt

Es gilt als ein wenig altmodisch, das Alpenveilchen. Das für die Fensterbank, botanisch Cyclamen persicum. Es stammt weder aus den Alpen, noch aus Persien, wie sein botanischer Artzusatz vermuten ließe. Sieht es nicht aus wie eine Geisha aus dem Land der aufgehenden Sonne? Oder wie eine Märchenprinzessin im Seidenkleid aus 1001 Nacht? Wie aus kostbarem Porzellan kunstfertig erschaffen? Ich mag diese Kostbarkeiten unter den Zimmerpflanzen!

Ihren Großmutter-Charme verdankt die Pflanze wohl eher der Tatsache, dass wir ihr heute keinen adäquaten Standort in unseren Wohnungen bieten können – das Primelgewächs mag es kühl um 15 °C, möglichst ohne große Temperaturschwankungen. Sehr hell, ohne direkte Sonneneinstrahlung sollte der Platz außerdem sein. Wer verfügt schon über solche Plätze? Ich kann mich erinnern, dass meine Großmutter ein Alpenveilchen in einem riesigen Topf hatte, das schon mehrere Jahrzehnte alt war. Es stand sommers auf der Veranda, winters im ungeheizten Schlafzimmer mit großem Ostfenster. Jeden Herbst zeigten sich unzählige Blüten in herrlichem Rosa.

Heute stelle ich Alpenveilchen in meinen ungeheizten Wintergarten. Dort bleiben sie über Monate schön und blühen unermüdlich. Statt zu gießen tauche ich die Töpfe, dabei achte ich darauf, dass die Knolle nicht unter Wasser kommt – alos nur die Erde sich vollsaugen kann. Stehendes Wasser auf der Knolle, an den Blatt- und Blütenstielen ist gefährlich, das bringt die Pflanzen schnell zum Faulen. Gewässert wird erst, wenn sich die Erde trocken anfühlt. Bei warmem, sonnigem Wetter kann das schon nach einigen Tagen, bei frostig-trübem Wetter auch erst nach drei Wochen nötig werden. Verwelkte Blüten ziehe ich am Stängel mit einem kräftigen Ruck vom Ansatz her heraus.

Noch ein Tipp: Wer beim Gärtner mal mehrere Exemplarein die Hand nimmt und daran schnuppert, entdeckt mit etwas Glück ein wunderbar duftendes Alpenveilchen. Zart, schmeichelnd, betörend – dieser Duft des Veilchens, das mit den Alpen nichts zu tun hat.

Friedrich Halm (Freiherr von Münch-Bellinghausen) meinte dazu:

„Duftreiches Cyclamen!
Lieber als Saubrot nenn ich dich doch
Mit dem griechisch-lateinischen Namen!“

4 Gedanken zu „Ein Veilchen, das nicht aus den Alpen kommt“

  1. Alpenveilchen sind wirklich schön. Aber anscheinend kann man sie erst im „fortgeschritteneren“ Alter richtig schätzen, denn früher möchte ich sie überhaupt nicht. 😉 Inzwischen habe ich drei, und das erste von den Dreien ist ein lieb gewordenes Geschenk von meiner Schwester.

    Eine Frage habe ich: Wie frostfest sind Alpenveilchen denn nun wirklich,wissen Sie das, Frau Greiner? Ich habe meine noch auf dem Balkon stehen, aber wie lange das noch geht … Es ist nicht so leicht, ein kaltes Plätzchen für sie zu finden.

    Viele Grüße,
    Doris

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    • Welche Alpenveilchen wie viel Kälte vertragen, lässt sich nicht so einfach sagen. Nach meiner Erfahrung sind sie umso robuster und unempfindlicher für Frost, je kleiner sie bleiben. Die Minis erweisen sich meistens als sehr hart im Nehmen, während die großen Prachtexemplare schnell frösteln. Trotzdem, mehr als ein paar wenige Grad unter Null vertragen sie keinesfalls, und das auch nur kurzfristig. Wichtig dabei, dass die Erde nicht nass ist! Eine wärmende Decke auf der Erde aus kleinblättrigem Laub, Filz, Wolle, Flechten oder anderem hübschen Naturmaterial hilft zudem – und selbstverständlich muss der Topf gut eingepackt sein.

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  2. Hallo Frau Greiner,

    danke für die Info! Meine drei hartgesottenen Alpenveilchen waren heute morgen recht durchgefroren mit steifen Blättern. Da habe ich sie reingeholt und erst mal aufgetaut. 😉 Jetzt suche ich dann doch ein kühles Plätzchen für sie. Müssen halt eine oder zwei Geranien aus dem Treppenhaus in den Keller wandern…

    Viele Grüße,
    Doris

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  3. Also mit der Frosthärte habe ich keine Probleme. Ich hab im Garten 2 „Minis“, eine weiße und eine rosa Variante, direkt ausgepflanzt. Die haben es jetzt schon mehrere Jahre ausgehalten. Vor allem dem weißen scheint sein Plätzchen unter Schlehe, Rotbuche und Wilder Kirsche gut zu gefallen.
    Und bei uns hat es im Winter locker mal bis zu minus 20 – 25 °C.
    (Allerdings hab ich das weiße auch nicht als Zimmerpflanzen gekauft, das rosane bekam ich mal geschenkt.)

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