Aufmarschiert

Ab und zu trifft man sie ja doch an, solche Kostbarkeiten der heimischen Flora wie das Helmknabenkraut (Orchis militaris), auch Helmorchis oder Soldaten-Knabenkraut genannt. Kräuterpädagogin Simone Braun hat dieses Exemplar entdeckt und fotografiert – völlig begeistert von den „coolen Typen“. Für mich sind es eher Manschgerl… Den militärischen Namen hat diese Orchidee nach den verwachsenen Blütenhüllblättern, die zu einem Helm geformt erscheinen, der über einer Lippe steht, die an eine Person erinnert. Eben einen Soldaten – oder doch mehr an Jugendliche, die sich ihre Kapuze, Mütze oder ihr Käppi weit ins Gesicht ziehen und ganz lässig und cool zusammen abhängen – wie es Simone Braun beschreibt. Viele davon halten hier Parade ab. Hoffentlich riskieren sie keine dicke Lippe…

Diese „Helmträger“ stehen stramm in Reih und Glied. Nur gut, dass sie nicht marschieren, sonst könnten wir sie nicht in aller Ruhe studieren. Der „Helm“ ist nämlich anfangs, wenn sich die Blüte beginnt zu öffnen, eher eine Schüssel. Viele Orchideenblüten drehen sich beim Aufblühen, so gelangt die Lippe nach oben und scheint das Manschgerl zu behelmen. Fachsprachlich nennt man dies Resupination.

Orchideen sind samt und sonders geschützt, nicht nur nach der Bundesartenschutzverordnung, sondern auch nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES). Wer sich nur ein wenig mit ihrer besonderen Lebensweise befasst, versteht schnell den Grund. Sie reagieren sofort auf Veränderungen ihres Lebensraums, sie sind zur Keimung auf die Hilfe spezieller Pilze angewiesen, brauchen meist viele Jahre bis zur ersten Blüte usw. Pflücken streng verboten, erst recht Ausgraben – und selbst Fotografieren nur aus respektablem Abstand, um den Boden nicht zu stören.

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