Teufels Werk und Gottes Beitrag

Was da draußen alles wächst, blüht und gedeiht! Eine höllische Freude, sich mal näher mit Geschöpfen zu befassen, die völlig zu Unrecht als Beelzebuben der Flora angesehen werden. Dabei haben sie doch gar nichts Böses im Sinn. Vielleicht könnte man diese Gewächse eher als Vitzliputzlis oder Ganggerl von Wald und Wiese einstufen? Gemeint sind die Teufelskrallen (Phyteuma), die wie himmlisch blaue Kunstobjekte aus dem Wiesengrün oder wie cremefarbene Kerzenleuchter aus dem Unterholz hervorleuchten.

Kräuterpädagogin Simone Braun staunt über die ungewöhnlichen Blüten. Lang, schlank, hornförmig gekrümmt – eben wie die Krallen des Teufels oder einer Katze (die Pflanzen nennt man auch Katzen- oder Wolfskrallen). Moment mal, wie erfolgt denn da die Bestäubung? Wer übernimmt die Liebesdienste? Etwa der Leibhaftige?

Der Fürst der Finsternis hat rein gar nichts damit zu tun, es ist vielmehr als überirdisches Wunder einzustufen. Und man muss sehr genau hinsehen. Aber der Reihe nach: Ähnlich wie bei Korbblütlern täuschen viele Einzelblüten gemeinsam eine attraktive Blume vor, so fallen sie natürlich erheblich mehr auf. Jede Einzelblüte besteht aus fünf Kronblättern, die miteinander zu einer langen Röhre verwachsen sind. Bemerkenswert – die Kronblätter reißen dann von unten nach oben entlang der Verwachsungslinien auf – nicht wie sonst bei Blüten üblich von oben nach unten. Durch die Schlitze können Insekten den Nektar, der am Blütengrund feilgeboten wird, aufschlecken und gleichzeitig auch Blütenstaub naschen. Der Pollen wird nämlich schon in der noch geschlossenen Blüte ins Innere abgegeben. Die Insekten kommen beim Blütenbesuch automatisch damit in Kontakt.

Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare)

Allmählich wächst der Griffel, der mit Fegehaaren gespickt ist. Der Blütenstaub wird immer weiter nach oben gebürstet, indem der Griffel sich streckt, bis er schließlich auch oben aus der sich mehr und mehr aufreißenden Blüte herausgedrückt wird. Ist der Blütenstaub weitgehend von Insekten abgeholt, spreizen sich an der Griffelspitze, die jetzt ein ganzes Stück über die Kronblätter hinausragt, die Narben auf – je nach Art zwei oder auch drei, pro Fruchtknoten eine. Damit wird sichergestellt, dass die nun empfängnisbereite Narbe nur fremden Pollen aufnimmt und somit eine Kreuzbestäubung stattfindet, Selbstbestäubung weitgehend vermieden wird. Boah! Komplex wie Teufels Werk, genial als Gottes Beitrag! Entdeckerfreude pur! Schaut’s doch mal!

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