Suche es nicht im Wald, sondern eher an Bahndämmen, in Sandgruben, entlang von Wegen oder schon mal in Blumenkübeln! Bei mir tauchte es plötzlich neben einer Tomate im Topf auf, bald wucherte es aus den Spalten zwischen den Terrassenplatten und Beetkanten heraus: das Wald-Ruhrkraut (Gnaphalium sylvaticum).

Katzenpfötchen, Falsches Edelweiß oder Wilder Rosmarin sind durchaus passendere, weil das Aussehen näher beschreibende Volksnamen für den Korbblütler. Der botanische Gattungsname Gnaphalium hilft wieder auf die Sprünge: Griechisch gnaphalon bedeutet Wollflocke. Das passt ganz gut, denn Sprossachsen und Blattunterseiten sind weiß- bis graufilzig behaart.
Korbblütengewächse

Korbblütler mit wolliger oder filziger Behaarung und kleinen, knopfartigen Körbchen („Blüten“) gibt es eine ganze Reihe, angefangen beim Edelweiß (Leontopodium) über Filzkräuter (Filago), Strohblumen (Helichrysum) bis zu Katzenpfötchen (Antennaria) und Perlkörbchen (Anaphalis). Zusammen mit dem hier beschriebenen Ruhrkraut und dessen Verwandten aus der Gattung wurden früher alle in einen Topf geworfen.
Haben nichts mit dem Fluss Ruhr oder dem Ruhrgebiet zu tun

Als Ruhrkräuter gingen sie in die Geschichte der Volksheilkunde ein – denn sie galten als hilfreiche Pflanzen gegen die Ruhr, eine sehr gefürchtete Krankheit. Als Hygiene noch nicht weit verbreitet und Wasser eine zwielichtige, weil meist schmutzige Flüssigkeit war, litten die Menschen immer wieder an schweren Durchfällen, hervorgerufen durch Bakterien oder Amöben, die zumindest stark schwächten, wenn nicht gar den Tod zur Folge hatten. Was man heute mit modernen Medikamenten gut in den Griff bekommt, ließ sich einst nur mit Heilpflanzen behandeln, eben den Ruhrkräutern.
Heilpflanzen des Volkes

Während die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), auch Gelbes Katzenpfötchen oder Immortelle genannt, laut HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel gilt, sind alle anderen Ruhrkräuter allein im Volkswissen als Heilpflanzen verankert, d.h. ihre Wirkungen beruhen rein auf Erfahrungen. Gerbstoffe, Bitterstoffe und ätherische Öle, die wie üblich für Korbblütler auch im Wald-Ruhrkraut wie auch im Sumpf-Ruhrkraut (Gnaphalium uliginosum), Norwegischen Ruhrkraut (Gnaphalium norvegicum) und Zwerg-Ruhrkraut (Gnaphalium supinum) enthalten sind, sorgen für die Wirksamkeit.
Viele Namensvettern und -cousinen

Stopp-mer’s-Loch oder Stopparsch lauten alte Bezeichnungen fürs Ruhrkraut, ebenso für die oben unter Ruhrkräutern erwähnten Pflanzen. Die Gerbstoffe ziehen zusammen, fangen Krankheitskeime ein und dichten die Darmwände ab – stoppen den Durchfall. Bei leichten Beschwerden kann man das Ruhrkraut, aufgebrüht zu einem Tee (Aufguss oder Infus), unterstützend heranziehen. Laut Erfahrungsheilkunde soll Ruhrkraut auch bei Halsschmerzen, Entzündungen im Hals-Rachenraum sowie bei Erkältungen hilfreich sein.

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