Zum Inhalt springen
Logo www.pflanzenlust.de

Ruprechtskraut, der zarte Cousin der stolzen Geranien

Als Zierpflanze selten beachtet, als Unkraut oft geschmäht, als Wildgewürzkraut kaum bekannt und als Heilpflanze fast vergessen: Das Ruprechtskraut (Geranium robertianum) führt ein Dasein im Schatten seiner prachtvollen Verwandten Storchschnäbel und Pelargonien. Schenkt ihm doch mal Eure Aufmerksamkeit!

Verwandtschaftsbande

Geranien (botanisch Pelargonium) – links als Blütenzierde, rechts als Duftpflanze

Ein bayerisches Bauernhaus ohne Geranienschmuck? Nahezu undenkbar, die flammend rot blühenden Balkonblumen, korrekt als Pelargonien angesprochen, gehören zu hiesigen Fassaden wie der Senf zur Wurst. Mit ihrer Blütenfülle fallen sie hoch oben auf der Brüstung jedem ins Auge. Drunten im Garten duckt sich derweilen ein naher Verwandter unter die Rosen und entzieht sich der allgemeinen Bewunderung.
Trotzdem hat ihn wohl jeder, der einen Garten bewirtschaftet, schon in der Hand gehabt. Filigranes, samtweiches Blattwerk und winzige, bezaubernd gemusterte Blütenkelche in leuchtendem Rosa zeichnen das Gewächs aus. Obwohl so anmutig, gilt das Ruprechtskraut eher als lästiges Unkraut.
Verwunderlich, denn die heimische Waldpflanze mit Früchten, die an Storchschnäbel erinnern und ihn damit als Mitglied der Familie der Storchschnabelgewächse ausweisen, hat es schon im Mittelalter als Zierpflanze in die Gärten gebracht. Weil aber andere Storchschnabelarten wie der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum) oder Balkan-Storchschnabel (G. macrorrhizum) mit wesentlich größeren Blüten aufwarten, wurde er bald an den Rand gedrängt. Liegt es vielleicht auch am eigentümlichen Duft, der von dem Kraut aufsteigt?

Gichtkraut, Blutkraut

Filigrane, frischgrüne Blätter, die im Herbst häufig rot werden

Mancher rümpft schon die Nase, wenn am Ruprechtskraut schnuppert. Die feinen Härchen, die Stängel und Blätter überziehen, besitzen Drüsen, über die ätherische Öle verdunstet werden. Der muffig-erdige, manche sagen bockige Geruch hat dem Ruprechtskraut auch die Bezeichnung Stinkender Storchschnabel eingetragen. Trotzdem (oder gerade deshalb?) achtete man ihn früher als hochwirksames Heilkraut. „Ein Schweißbad von zwey theil Ruprechtskrautund einem theil Attichkraut gemacht und darin trucken geschwitzt hilfft gewaltig wider den schmertzen deß lauffenden Gegichts in Gliedern.“ So preist ihn der große Gelehrte Tabernaemontanus (1522-1590).
Gemäß der Signaturenlehre sprach man dem Ruprechtskraut aufgrund seiner roten Stängel eine Heilkraft gegen Blutungen zu, wenn auch vorwiegend in der Tierheilkunde. Ein Absud wurde dem Vieh eingeflößt, das unter Blutharnen litt. Beim Menschen diente das Kraut gegen Rotlauf, d.h. rote Hautentzündungen und Rote Ruhr, eine gefürchtete Epidemie, an der in alten Zeiten unzählige Menschen starben.

Biswurmkraut

Der Biswurm ist kein Ungeheuer, sondern eine Pferdebremse. Die kann sehr unangenehm werden, besonders ihr Stich. Unser Kräutlein sollte den Biswurm fernhalten und deren schmerzhafte Stichwunde schnell verheilen lassen. Jetzt kommt der Stinkende Storchschnabel zu Namensehren,  kann er doch dank seines Geruchs wirklich lästige Mücken und Bremsen abwehren.
Mit den Blättern kräftig über die Haut streichen – aber wer mag schon selbst riechen wie das Ruprechtskraut. Da greift man vielleicht doch besser zur duftenden Verwandtschaft, den Duft-Pelargonien. Das ätherische Öl der Rosen-Geranie (Pelargonium graveolens) wirkt ebenso, aber schmeichelhafter. Dafür 5 Tropfen ätherisches Rosengeranienöl in 50 ml Mandelöl mischen, eine kleine Menge in dünnem Film auf der unbedeckten Haut verteilen.

Adebarskraut  

„Storch, Storch, guter, bring mit einen Bruder!“ oder „Storch, Storch, bester, bring mir eine Schwester!“ riefen die Kinder, wenn sie einen Storch auf der Wiese staksen oder über die Dächer fliegen sahen. Nach alter Vorstellung fischt der Storch die Kinderseelen aus dem Wasser und trägt sie im Schnabel zur Wiege. Wer könnte demnach besser geeignet sein, einem Paar den heiß ersehnten Kinderwunsch zu erfüllen als ein Kraut namens Storchschnabel?
Einst legte man das Ruprechtskraut dem Ehepaar unters Bett, das sich ein Kind wünschte. Möge der Storch, Symbolfigur für eheliches Glück, doch die Mutter ins Bein beißen. Und weil das oft klappte, beehrte man den Stinkenden Storchschnabel mit dem Titel „Kindsmacher“. Das „Stiergräschen“ mischten kräuterkundige Bauern ihren Kühen unters Futter, wenn sie brünstig werden sollten. Wenn auch wissenschaftlich nicht belegt und noch gar nicht weiter erforscht, das Ruprechtskraut wird immer wieder als das Kraut genannt, wenn es darum geht, die Fruchtbarkeit einer Frau zu unterstützen.

Dem Ruprechtskraut wird eine entgiftende und den Lymphfluss anregen Wirkung nachgesagt. Deshalb hat er eine lange Tradition als sog. Nestreiniger. Über einige Wochen regelmäßig als Tee getrunken soll er den weiblichen Körper von allem befreien, was eine Schwangerschaft verhindern könnte. Den enthaltenen Gerbstoffen spricht man auch eine gewisse hormonähnliche Wirkung zu. Dennoch sollte man sich nicht allein auf das Kraut verlassen, meistens sind es viele Faktoren, darunter auch Stress oder seelische Belastungen, die einer Erfüllung des des Kinderwunsches im Wege stehen.

Bescheidenheit ist eine Zier

In der Verwandtschaft gibt es viele Zierformen

Das Ruprechtskraut hat es verdient, ein Plätzchen im Garten zu behalten oder neu zu bekommen. Setzen Sie mal ein Pflänzchen in einen Topf mit Erde. Schnell wird daraus eine rechts stattliche Pflanze, die es in punkto Grazie mit vielen anderen Zierpflanzen aufnehmen kann. Ihr entscheidender Vorteil: extrem anspruchslos uns pflegeleicht! Ihr werdet Eure helle Freude daran haben – und allein das ist heilsam, wenn man positiv gestimmt ist.

War das nützlich?

Schreiben Sie einen Kommentar

Melden Sie sich zum Pflanzenlust Newsletter an und verpassen Sie keinen Blog-Beitrag mehr:

Zum Newsletter anmelden