Alant

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Alant 3Groß und prächtig leuchtet er mit goldgelben Blütensonnen aus dem Beet, lehnt sich dankbar an den Gartenzaun und lässt sich von Bienen und Hummeln umschwärmen: Der Alant. Manche nennen die beeindruckende Großstaude auch Helenenkraut. Einer alten Sage nach sollen überall, wo einstmals die Tränen der schönen Helena über das Leid in Troja die Erde benetzten, diese erhabenen Blumen gewachsen sein.

Mittelpunkt im Garten wie im Kräuterbuschen
Früher wuchs der Echte Alant (Inula helenium), der ursprünglich aus Klein- und Zentralasien stammt, in vielen Bauerngärten. Heute trifft man ihn leider nur noch selten an, Bestaunen kann man ihn in Klostergärten und hier und dort im Alpenvorland und im Gebirge, auch in Thüringen wird er noch kultiviert.
Seit der Antike, vor allem bei den Römern, werden die dicken, fleischigen Wurzeln genutzt. Unter einer braunen bis grauschwarzen Rinde verbirgt sich ein weißes, von rötlichen Zonen durchzogenes Fleisch, das angenehm aromatisch duftet und stark würzig und scharf-bitter schmeckt. Man kochte es ähnlich wie Schwarzwurzeln und mischte es zu anderem Wurzelgemüse und zu Rüben, für Naschwerk wurden kleine Stücke kandiert. Außerdem diente die Wurzel als Gewürz für Süßspeisen und zum Ansetzen von Likör. Ein Wein aus Alantwurzel galt als wahres Allheilmittel, das gegen allerlei Zipperlein zum Einsatz kam – doch zu den Heilwirkungen später mehr.
Die goldgelben Blüten erinnern von der Form her an Ringelblumen oder Sonnenblumen, mit diesen weithin bekannten und beliebten Korbblütlern ist der Alant auch nahe verwandt. Die Blütezeit beginnt im Heumonat und erstreckt sich bis über den Erntemond hinaus, also im Hochsommer. Rund um das Fest Maria Himmelfahrt Mitte August strahlen die handtellergroßen Blütenkörbe weithin sichtbar auf kräftigen, hoch aufragenden Stängeln. Das kommt für Kräuterbuschen sehr gelegen, und so bilden Alantblüten in einigen Regionen den Mittelpunkt im Heilkräuterstrauß, der zu Ehren der Muttergottes gebunden wird. Geweiht und getrocknet dienen die Kräuter als Heilpflanzenvorrat für den Hof.

Alant 2

Für die Hausapotheke
In Bauerngärten wuchsen und wachsen bis heute bevorzugt Pflanzen, die nicht einfach nur schön sind, sondern sich auch nutzen lassen. Neben der Versorgung mit Gemüse und Kräutern für die Küche dienten nicht wenige Gewächse zur Linderung von Krankheiten. So auch der Alant, von dem Hildegard von Bingen empfahl Alantwurzel bei Lungenleiden und Migräne, warnte aber auch vor übermäßigem Gebrauch. Tatsächlich enthält der Alant Stoffe, die zum einen die Schleimhäute reizen, zum anderen Allergien auslösen und nicht zuletzt in höherer Dosierung Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und Lähmungserscheinungen hervorrufen können.
Seine sensibilisierende Wirkung, sein Allergie-Potential hat den Alant aus der Heilpflanzenliste der Bauerngärten wie der Naturheilpraxis verdrängt. Vermutlich sind die ätherischen Öle für seine Heilkraft bei Husten und Bronchialkatarrhen verantwortlich. Nachdem in früheren Zeiten die Menschen sehr häufig unter chronischem Husten, Lungenerkrankungen wie Bronchitis und Asthma litten, waren sie um jedes pflanzliche Arzneimittel dankbar. Die Namen Brustalant oder Hustenwurz für den Alant zeugen von dessen Bedeutung.
Alantwurzel, in Wein ausgezogen, schätzte man ebenso als verdauungsförderndes Mittel, verabreichte Alantwein bei Magenschmerzen und Verstopfung, gegen Gelbsucht und Würmer. Äußerlich behandelte man damit Krätze und Geschwüre. Doch für all diese Zwecke greift man heute besser zu anderen Heilpflanzen.
Eine Renaissance erlebt der Alant dagegen beim Räuchern, das ja auch heilende Kräfte entfaltet. Die klein geschnittene und getrocknete Wurzel, die ein wenig nach Veilchen duftet, gibt ein würziges Aroma frei, das die Luft von Keimen reinigt und dunkle Stimmung vertreibt. Alant bringt Sonne ins Herz, sagt Marlis Bader, die angesehene Spezialistin fürs Räuchern mit heimischen Kräutern.

Wurzeln treibt er reichlich
Wer das unvergleichliche, fast umwerfende Aroma der Alantwurzel einmal erleben möchte, sollte im Herbst ein Stück Wurzel ausgraben. Die weit mehr als mannshohe Staude treibt einen mächtigen, teils knolligen, dickfleischigen Wurzelstock mit vielen, oft fingerdicken Nebenwurzeln. Wo es ihm behagt, neigt er zum Wuchern, deshalb sollte Alant im Garten an eine entsprechende Stelle gesetzt werden oder mittels Wurzelsperre sein Wachstum gezügelt werden.
Ab Oktober hebt man die große Staude mit einer Grabgabel aus dem Boden, teilt sie in mehrere Stücke und pflanzt die besten Teilstücke in nahrhafte, humose Erde wieder ein, jeweils mit einem Abstand von mindestens einen Meter. An einem sonnigen bis halbschattigen Standort erweist sich der Alant als überaus pflegeleicht. Er muss nur jährlich eine kräftige Düngergabe, am besten Kompost oder abgelagerten Stallmist bekommen.
Alant bekommt man als fertige Pflanzware in gut sortierten Gärtnereien sowie als Samen bei Saatguthändlern mit einen breiten Angebot. Noch besser holt man sich ein Wurzelstück aus einem anderen Garten, vielleicht lässt sich bei einer Nachbarin oder einem engagierten Kleingärtner etwas tauschen? Gesät wird im Frühjahr, am besten zieht man ihn ab März in Saatschalen auf der Fensterbank vor, die Samen gehen in der Regel willig auf. Ab Ende April dürfen die Sämlinge dann ins Freie.

AlantRobuste Großstaude
Alant ist winterhart und stellt wenige Ansprüche an die Pflege, solange er genügend Nährstoffe und Wasser erhält. Seine filzigen Blätter werden kaum von Schädlingen befallen, nur ab und zu fressen Käfer Löcher hinein oder saugen Zikaden daran. Das kann man aber durchaus dulden. In feucht-warmen Sommern tritt gelegentlich Echter Mehltau auf, dann schneidet man befallene Blätter einfach weg.
Wegen seiner prunkvollen Statur ist der Alant bestens geeignet, einem Garten einen markanten Blickfang zu geben. Er macht sich am besten im Hintergrund bunter Blumenbeete, vor einem Zaun oder einer Mauer. Optimal lässt er sich zur Verschönerung von nicht besonders attraktiven Stall- oder Scheunenwänden einsetzen. Sogar im Winter macht er was her, wenn man die kräftigen Triebe stehen lässt und erst im zeitigen Frühjahr zurückschneidet.
Wer noch mehr Wert auf Prunk und Protz unter seinen Blütenstauden legt, dem sei der Riesen-Alant (Inula magnifica) empfohlen. Er erreicht Wuchshöhen von bis zu drei Metern, entwickelt mehr als doppelt so große Blütenkörbe wie der Echte Alant.

1 Kommentar
  • Hach, ich hätt‘ ihn wohl sehr gerne, aber ich glaube bei mir ist es einfach zu trocken im Brandenburgischen Wald und Sand… Ein Versuch mit einem gekauften Pflänzchen vor ein paar Jahren schlug dann auch prompt fehl… Inzwischen habe ich ein bisschen mehr Zeit zum Gießen. Meinst du, ich sollte noch einen Versuch wagen? An der Hauswand, in der Nähe des Teichs hätte er auch immer mal ein paar Wassertropfen extra… Ich habe ihn noch nie, nie, nie irgendwo in einem Garten „leibhaftig“ gesehen ;-( Ein ganz wunderbares Porträt hast du ihm gewidmet! Herzlichen Gruß Ghislana

    24. August 2015 um 19:39

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