Schnittgut nutzen

Allerorten wird geschnitten, besser: wurde geschnitten. Ab 1. März ist rigoroser Schnitt in Gärten wie in der Landschaft untersagt, um Vögeln ihr Brutgeschäft zu sichern (was man im Garten darf und nicht, darüber berichtet Bayern 1 in einem Artikel). Wohin mit all dem Schnittgut? Häckseln und unter die Hecke streuen, als untere Füllung ins Hochbeet packen, einen Totholzhaufen für Nützlinge aufschichten – Möglichkeiten gibt es genug, den Wertstoff Gehölzschnitt sinnvoll zu nutzen. Wer etwa seinen Apfelbaum geschnitten hat, kann noch mehr damit anfangen:

Apfelknospenöl

„Und wer durch eine Leber- oder Milzschwäche. oder von üblen Säften des Bauches oder Magens, oder von Migräne im, Kopf leidet, der nehme die ersten Sprossen, d. h. die Knospen des Apfelbaumes und lege sie in Baumöl, und er wärme sie in einem Gefäß an der Sonne, und abends, wenn er schlafen geht, salbe er den Kopf mit diesem Öl und tue dies öfters, und er wird sich besser im Kopf befinden.“ So beschreibt die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1178) Wirkung und Herstellung von einem Ölauszug aus den Knospen des Apfelbaums.
Ein kleines, weithalsiges Schraubdeckelglas zu einem Drittel mit Apfelbaumknospen, bevorzugt Blütenknospen, füllen. Olivenöl oder Rapsöl aufgießen, verschließen. An einem dunklen, zimmerwarmen Ort ausziehen lassen, dabei täglich einmal bewegen. Anders als im Hildegardrezept vorgegeben, braucht man den Ansatz nicht in die Sonne zu stellen, es kommt nur auf eine gewisse Wärme an. Abfiltern und in dunkle Flasche umfüllen, kühl lagern. Bei Kopfschmerzen mit einigen Tropfen Stirn und Schläfen sanft massieren.

Apfelrindenfarbe

Die Rinde von den geschnittenen Zweigen geschält ergibt eine schöne Färberlauge – für Stoffe, Wolle wie auch für Ostereier. Die äußere Schicht, wichtig fürs Färben ist vor allem der Bast, lässt sich jetzt um diese Jahreszeit ganz leicht abschälen. In Wasser einweichen, schon kann es losgehen. Oder einige Tage mit Wasser stehen lassen, es setzt leichte Gärung ein, das intensiviert die Farbe. Oder mit Alaun mischen, oder Essig zugeben, oder… Hier kann jeder ausprobieren. Welche Farbe? Herrliche Gelbtöne bis hin zu Bronze.

Was man noch alles mit Bäumen anfangen kann – dazu mehr in meinem Buch „Bäume in Küche und Heilkunde“ aus dem AT-Verlag.

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