Rabenschwarz, Saftgrün und Schüttgelb

Steht an vielen Waldrändern, wächst in vielen Feldgehölzen, mischt sich in viele Hecken – der Kreuzdorn (Rhamnus catharticus), auch Wegedorn oder Purgierstrauch genannt. Doch obwohl weit verbreitet, kennt ihn kaum jemand. Weil er keine essbaren Früchte trägt? Weil seine Blüten unscheinbar bleiben? Weil man einfach nichts mit ihm anfangen kann?
Man muss halt einen Bezug zu diesem Strauch unserer Heimat aufbauen, dann wird man ihn auch kennen und schätzen lernen. Hier ein paar wissenswerte Dinge: Aus den schwarz schimmernden „Beeren“ (korrekt: Steinfrüchte) werden zwei Farbstoffe gewonnen, das Saftgrün und das Schüttgelb. Kocht man die Früchte aus, ergibt sich eine orangefarbene Brühe, die je nach Weiterverarbeitung dann zu leuchtend grüner Ölfarbe oder intensiv gelbem Pigmentextrakt wird. Die Früchte werden auch zum Färben von Wolle und Stoff verwendet, mit unreifen erzielt man gelbe, mit reifen grüne und mit überreifen Früchten gar dunkelpurpurne Töne. Allerdings braucht es stets Metallsalze zum Beizen, um die Farben des Kreuzdorns hervorzulocken. Schließlich soll auch Tinte nicht unerwähnt bleiben, ausgequetschte Früchte eignen sich bereits zum Schreiben und Malen.

Markenzeichen: Kreuz

Weil seine Blätter gegenständig angeordnet sind, auch seine zu Dornen geformten Seitenzweige jeweils paarweise gegenüber stehen und so im Geäst immer wieder Kreuze sichtbar werden, hat man diesem Strauch den Namen Kreuzdorn gegeben. Das hat das Volk zu vielerlei Geschichten angeregt, etwa dass Jesus Christus mit Kreuzdornnägeln ans Kreuz geschlagen wurde, weshalb der Kreuzdorn bis zum jüngsten Tag diese Gebilde tragen muss. Andererseits soll der Strauch mit dem Kreuz als Segenszeichen aber auch Dämonen abwehren und Hexenzauber abwehren können.
Purgierstrauch wird er genannt, weil er vor allem in Form eines Beerensirups zum Purgieren, zum Entleeren des Darms verwendet wurde. Daher rühren auch alte Volksnamen wie Laxierbeere oder Scheißkirsche. Kreuzdorn erzielt wirklich durchschlagende Erfolge, wirkt sehr drastisch und gilt daher insgesamt als Giftpflanze. das ergibt sich auch aus dem botanischen Artzusatz catharticus, was so viel wie abführend bedeutet.
Nicht unerwähnt will ich lassen, dass der Kreuzdorn eine wichtige Raupenfutterpflanze ist, z.B. für den Zitronenfalter. Und wie oft freuen sich Vögel an den Früchten, allen voran Amseln, wonach der Kreuzdorn auch Amselbeerdorn heißt.

2 Gedanken zu „Rabenschwarz, Saftgrün und Schüttgelb“

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