Krähenauge, Spinnenbeere, Tollkirsche

Diese Pflanze sieht man ab und zu mal zwischen den Sendungen des Bayerischen Fernsehens eingeblendet – oder viel öfter im Wald. Es ist die Einbeere, botanisch Paris quadrifolia, aus der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Sie blüht jetzt gerade auf, ihre Blüten sind ein wahres Wunderwerk. Umkränzt von fadenförmigen Blütenhüllblättern und acht Staubblättern erhebt sich ein Stempel aus vier miteinander verwachsenen Fruchtblättern, die wie eine Beere erscheinen, obenauf vier Narbenäste wie eine Art Geweih. Die langgestielte Blüte schwebt elegant über einer „Bühne“ aus vier Laubblättern.

Die Geschichte vom Apfel der Zwietracht

Das Urteil des Paris – Sandro Botticelli

Eris, die Göttin der Zwietracht, wirft bei der Hochzeit von Peleus und Thetis beleidigt einen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ unter die Gäste, weil sie nicht eingeladen worden war. Daraufhin entbrennt zwischen den Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite ein Streit. Paris, der Königssohn von Troja, wird als Schiedsrichter auserkoren. Die Göttinnen buhlen darum, dass Paris ihnen den Apfel für die Schönste zuerkennt. Hera verspricht ihm die Herrschaft über die Erde, Athene allumfassende Weisheit, Aphrodite die Liebe der schönsten Frau der Welt. Und für wen entscheidet sich der Jüngling? Natürlich für die Liebe. Athene führt ihm die schöne Helena zu. Und sogleich muss das frisch verliebte Paar Reißaus nehmen, denn Helena ist mit dem spartanischen König Menelaos verheiratet und der gehörnte Ehemann will die Schmach nicht hinnehmen. Paris und Helena fliehen nach Troja, Menelaos und seine verbündeten Griechen hinterher. Es kommt zum Krieg, dem Trojanischen… Und was hat die Pflanze damit zu tun? Ihre vier Laubblätter stehen symbolisch für die vier Protagonisten, die Göttinnen und Paris, der schwarze Fruchtknoten für den Zankapfel.

Schwarzblaue Beerenfrüchte

Ihr ungewöhnliches Aussehen, auch das der heidelbeer- bis kirschgroßen, seltsam blau gefärbten Beeren hat der Pflanze aber noch zu viel mehr unerhörten Geschichten verholfen. Sternkraut, Krähen- oder Sauauge, Glotz- oder Spinnenbeere erklären sich von selbst. Crux Christi oder Kreuzblatt nannte man sie ehrfuchtsvoll wegen der Blattanordnung, aber auch Venussiegel oder Venusnabel wegen des Fruchtknoten oder der Frucht. Namen wie Teufelsbeere, Wolfstraube, Schlangenkraut, Tollkirsche oder Aconitum salutiferum (= heilsamer Eisenhut) besagen, dass die Pflanze giftig ist und man sie tunlichst nicht verzehren sollte. Es würde einem gar der Bauch platzen oder die Gedärme zersprengt werden, wenn man die Platz- oder Sprengbeeren äße. Wie so oft kam die Giftpflanze dann aber doch heilkundlich zum Einsatz, etwa gegen Pestbeulen oder andere Geschwüre. Alte Rezepturen zufolge seien die Einbeeren mit Seidelbast, Schwalbenwurz, Engelwurz und anderen Ingredienzien in Wein bzw. Essig zu mischen – wer das Mittel dann überlebte, der entkam auch der Seuche.

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