Pfingstrose oder Tulpe?

Alles spät, dieses Jahr. Der Mai und damit der Frühling geht zu Ende, noch immer blühen, man mag es kaum glauben: Tulpen! Die Pfingstrosen (Paeonia) haben sich verspätet, sie zeigten sich heuer zu Pfingsten noch nicht. Es wird wohl mindestens Fronleichnam werden. Dafür dehnt sich die Blütezeit der Tulpen bis in den ersten Sommermonat, den Juni aus: Päonienblütige Tulpen oder Gefüllte späte Tulpen sind noch immer zu bewundern.

Und es darf im Garten durchaus auch mal einer gefüllten Blüte die Referenz erwiesen werden, als Augenweide – Bienenweiden gibt es nebenan zur Genüge, im Umfeld der Tulpen gibt es reichlich Storchschnäbel und Polsterphlox. Seien wir einfach großherzig. „Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich erfreut.“ (Aurelius Augustinus).

Passend zu den letzten Tulpen noch ein Gedicht:

Die Tulpe

Andre mögen andre loben,
Mir behagt dein reich Gewand,
Durch sein eigen Lied erhoben
Pflückt dich eines Dichters Hand.

In des Regenbogens sieben
Farben wardst du eingeweiht,
Und wir sehen, was wir lieben,
An dir zu derselben Zeit.

Als mit ihrem Zauberstabe
Flora dich entstehen ließ,
Einte sie des Duftes Gabe
Deinem hellen, bunten Vlies.

Doch die Blumen all, die frohen,
Standen nun voll Kummers da,
Als die Erde deinen hohen
Doppelzauber werden sah.

„Göttin! o zerstör uns wieder,
Denn wer blickt uns nur noch an?“
Sprach’s die Rose, sprach’s der Flieder,
Sprach’s der niedre Thymian.

Flora kam, um auszusaugen
Deinen Blättern ihren Duft:
„Du erfreust“, sie sagt’s, „die Augen,
Sie erfreun die trunkne Luft“.

August Graf von Platen (1796-1835)

Pfingstrose

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