Holunder tut Wunder

In Zeiten wie diesen, wo alle Welt eine neue Waffe gegen Coronaviren sucht, sollte man die althergebrachten Mittel nicht übersehen. So viel wir heutzutage über Viren und Krankheiten wissen (und bemerken, wie unwissend und ohnmächtig wir sind), so wenig beachten wir die Weisheiten unserer Vorfahren. Die hatten andere Vorstellungen von Krankheiten und Katastrophen, waren aber ebenso damit geschlagen und haben doch unzählige Krisen überstanden. Eine heimische Pflanze fällt mir da besonders auf: der Schwarze Holunder (Sambucus nigra).

Die Apotheke der armen Leute

„Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jeder Teil ist Kraft und Güte.“ Diese alte Volksweisheit belegt, dass der Schwarze Holunder einst als eine Art Universalmedizin galt. Wenn auch heute nur noch Blüten und Beeren Verwendung finden, haben wir damit beeindruckende Pflanzenarzneien zur Hand. Seit alters her gilt Schwarzer Holunder als Sitz der guten Hausgeister, als Strauch der Frau Holle, der Böses abwehrt und Gutes leistet. Selbst die moderne Wissenschaft hat sich eingehend (aber wohl nicht intensiv genug) mit dem Holunder beschäftigt, seine Inhaltsstoffe analysiert und seine Wirkungsweisen erforscht. In allen Studien kommt man zum Ergebnis, dass Holunder, Blüten und vor allem Beeren gut gegen Erkältungen und Grippe wirken – er hält Viren in Schach.

Breites Wirkspektrum

Schwarzer Holunder enthält eine Fülle verschiedener Inhaltsstoffe, besonders reich ist er an Flavonoiden (z.B. Apigenin, Rutin, Quercetin) und Anthocyanen (dunkle Farbstoffe). Daneben sind Terpene (z.B. Ursolsäure, Betulin), Phenolsäuren (z.B. Ferulasäure), Shikimisäure (Ausgangsstoff für das Grippepräparat Tamiflu), Phytosterine (z.B. Stigmasterol, β-Sitosterin), Vitamine (Vitamin A, B6, C), Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren vorhanden.

Pflanzliche Virenabwehr

Besonders interessant erscheinen sog. RIPs. Wer jetzt an r.i.p. (= rest in peace, ruhe in Frieden) denkt, liegt zwar falsch, aber dennoch gibt es einen Zusammenhang. RIPs sind Ribosomen-inaktivierende Proteine, die in vielen Pflanzen wie auch Pilzen und Bakterien vorkommen und ihnen zur Abwehr von Viren dienen. Sie verhindern, dass in den Ribosomen der Zellen Proteine gebildet werden – dadurch können sich Viren nicht vermehren.
Viren haben nämlich weder Zellplasma als Reaktionsraum, noch Mitochondrien als Energie liefernde Kraftwerke und auch keine Ribosomen als Eiweißfabriken. Deshalb brauchen sie Zellen eines Wirts wie eine Pflanze oder den Menschen, die sie zu Virus-Werksanlagen umprogrammieren. Bleiben die Eiweißfabriken jedoch geschlossen, können auch keine Virusproteine hergestellt werden. Ohne Ware keine Produkte – aus ist’s mit Viren.

Giftig oder nicht

Ricin aus den Samen des Wunderbaums oder Rizinus (Ricinus communis) und Abrin aus den Samen der Paternostererbse (Abrus precatorius) sind die wohl bekanntesten RIPs. Beides sind hochgiftige Substanzen, die bereits in sehr geringen Mengen auf den Menschen tödlich wirken können – daher r.i.p. = ruhe in Frieden. Holunder dagegen enthält RIPs wie Ebulin und Nigrin, die wenig oder nicht giftig wirken. Das macht ihn zur Virenabwehr und -bekämpfung besonders interessant.

Wirksam gegen Corona?

Obwohl die Menschheit schon tausende von Jahren auf den Holunder als Heilpflanze schwört, ihn schon immer gegen Grippe verwendet hat und unzählige Studien darauf hinweisen, dass er gegen viele verschiedene Viren (Influenza, Herpes, Rhinoviren u.a.) wirkt, wissen wir nicht, ob er auch bei Coronaviren seine Heilkräfte entfaltet. Aber es steht zu vermuten. Es scheint, dass Holunder ein sehr breit wirksames Antivirenmittel ist, das insbesondere gegen umhüllte Viren aktiv ist, wie auch Corona einer ist. Wie bei pflanzlichen Arzneien meistens der Fall, kommt es dabei nicht auf einen Inhaltsstoff im Holunder an, sondern auf den Komplex aller Wirkstoffe.

Holundersaft zur Immunstärkung

Im Englischen heißt der Holunder elder, das bedeutet Ältester. Das lässt sich auslegen, indem der Holunder eine Pflanzengestalt aus dem Kreise der Ältesten, Weisesten und Mächtigsten ist, die Tore zu anderen Welten öffnen – vielleicht eröffnet uns der Holunder tatsächlich neue Horizonte? Man kann elder aber auch auslegen, dass man selbst alt und weise wird, wenn man auf ihn vertraut. Und was kann es schaden, Holunderbeersaft und Holunderblütentee (oder Limonade) zu trinken? Vorbeugung ist die beste Medizin.
Holunder sollte nach einigen Studien vorzugsweise vorbeugend eingesetzt werden. Bei akuten Zuständen (wie Lungenentzündung, Covid-19-Infektion) kann es sein, dass Holunder sogar gegenteilig wirkt, weil er eine Entzündungsreaktion, durch die Viren ausgelöst, verstärken kann, so dass sie möglicherweise außer Kontrolle gerät und zum Versagen von Lunge und anderen Organen führt.

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