Nicht nur in entbehrungsreichen Zeiten haben die Menschen auf Eicheln für die tägliche Nahrung zurückgegriffen, insbesondere im mediterranen Raum sowie in Nordamerika und Asien waren die Früchte Alltagskost. Plinius beschreibt im 1. Jahrhundert nach Christus die Früchte der Steineiche (Quercus ilex) als die erste und ursprünglichste Nahrung der Menschen. Die Zeiten, in denen man Eicheln aß, rühmt er als ein Goldenes Zeitalter, weil es damals weder Eisen, noch Krieg, noch Zerstörung gab.
Einst in der Not, heute ein Luxus

Bei uns wurden und werden Eicheln gemeinhin als Notnahrung angesehen, aber man findet immer wieder Hinweise darauf, dass sie nicht nur als Schweinefutter dienten, um möglichst kernige Schinken zu erhalten. Keineswegs hat man nur das Vieh in den Wald getrieben, damit es sich an Eicheln satt fressen kann. Immer wanderten die Eicheln auch in die Küchen, sogar als Heilmittel.

Vor allem der Eichel-Kakao erlangte als süßer, wohlschmeckender Trunk einige Berühmtheit, empfohlen zur allgemeinen Stärkung und gegen Magen-Darm-Krankheiten. Geröstetes Eichelmehl, gemischt mit mehr oder weniger Bohnenkaffee und Kakao in Milch gerührt, mit Zimt verfeinert ergab eine „Eichel-Chocolade“, also eine Trink-Schokolade.
Mehr Kakao als Kaffee

Gregor Martin Mayrhofer gründete 1827 in München eine Schokoladenfabrik und verkaufte das Getränk vor allem an die wohlhabende Gesellschaft mit allerlei Versprechen für dessen positive Wirkung auf die Gesundheit. Diese sollte „von ganz besonderm und heilbringendem Nutzen für Nervenschwache jeden Alters“ sein und „nach vielen hitzigen und den meisten chronischen Krankheiten, nach großem Säfteverlust etc., mit dem größten Vortheil in Anwendung gebracht“ werden können. Superfood würde man wohl heute dazu sagen. König Ludwig I. zeichnete Mayrhofer mit dem Titel des Hof-Chocolade-Fabrikanten aus. Weil Magen-Darm-Erkrankungen damals viele Menschen, vor allem Kinder dahinrafften, war die Nachfrage nach Heilmitteln dagegen groß.
Vom Getränk zum Brot

Der Eichel-Kakao erlangte, nach verbesserter Rezeptur hergestellt und als Kindernährmittel wie als Kräftigungsmittel für Kolonialbeamte und Soldaten, eine weite Verbreitung, aber immer angesiedelt zwischen Nahrungsmittel und Arzneimittel – denn wahre Heilkraft konnte man ihm nicht nachweisen. Neue Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel verdrängten den Eichel-Kakao nach dem Ersten Weltkrieg mehr und mehr.

In und nach dem Zweiten Weltkrieg besann man sich aus größter Not heraus auf Eichel-Kaffee und Eichelbrot – nachzulesen etwa im 1946 von Erika Lüders herausgebrachten Büchlein „10 Pfund Eicheln sind 7 Pfund Eichelmehl“. Als die Zeiten besser wurden, interessierte man sich nicht mehr für Eicheln, vielleicht weil auch zu viele traumatische Erlebnisse damit verbunden waren. „Niemand isst gerne Eicheln, wenn er Brot hat.“, besagt eine Volksweisheit aus Dänemark.

Aber ich esse gerne Brot aus Eicheln. Oder zur Not: Eicheln ohne Brot. Ein paar der besten Eichelnüsse von meinen auserlesenen Bäumen stecke ich an vielversprechenden Stellen ins Erdreich, gerne in Maulwurfshaufen. An Nachschub muss man beizeiten denken.

Das ist ja eine faszinierende Reise durch die Eichelgeschichte! Von heilbringendem Trink-Kakao bis zu Notbrot – die Eiche hat wirklich alles durchgemacht. Wer heute noch den „Eichel-Chocolade probiert, der braucht schon eine dicke Haut, aber wer nicht, dem sei empfohlen, nach nachschubenden Eicheln Ausschau zu halten! Vielleicht bringt ja der Maulwurf bald meine versteckten Nüsse zum Vorschein – oder meine Küche. „Niemand isst gerne Eicheln, wenn er Brot hat – was für eine Wahrheit! Ich bin mal gespannt, ob meine Bäume bald meine Eichel-Süchte stillen können. Auf jeden Fall: Brot aus Eicheln? Gerne zur Not!
Obendrein gelten Eichen als Zukunftsbäume!