Die Osterglocken

Nach der langen Herrschaft des Winters zog endlich, heiß ersehnt, der Frühling ins Land. Nicht nur auf der Erde wurde es wieder grün draußen und sangen die Vögel ihre Lieder, auch im Himmel machte sich eine helle und frische Stimmung breit. Halleluja, sagte Petrus, bald wird es Ostern. Höchste Zeit für den Frühjahrsputz. Und er wies alle Engel an, die goldenen Sternlein zu putzen, die weißen Wölkchen aufzuschütteln und das blaue Himmelszelt zu säubern. Außerdem sollten die Englein sämtliche Glocken zu reinigen und zu prüfen, ob sie denn auch gut klingen und fest in den himmlischen Glockenstühlen hingen.

Die Engel erledigten alle Arbeiten sorgfältig. Als das Osterfest heranrückte, begannen sie freudig die vielen Glocken zu läuten, immer schneller, immer lauter. Doch plötzlich rissen die Seile und eine Glocke nach der anderen stürzten vom Himmel. Schon waren sie in den Wolken verschwunden. Himmlische Mutter Gottes, hilf! riefen die Engel voller Verzweiflung. Und Maria breitete ihre schützenden Hände aus, es sollte doch niemand zu Schaden kommen, schon gar nicht zum Osterfest. Die Glocken fielen nicht mehr, sondern schwebten sanft zur Erde nieder.

Als sie den Boden berührten, verwandelten sie sich in zarte Blumen. Eingehüllt in silberweiße Pelze von den Wolken, violett gefärbt in Erinnerung an die Fastenzeit und mit einem goldenen Klöppel aus Sternenglanz. Bis in die heutigen Tage blühen die Blumenglocken auf Wiesen und Hügeln, wo die Natur noch Natur sein darf – und künden von Ostern, dem Fest der Hoffnung und des ewigen Lebens, zur Feier des Frühlings. Wie sie heißen, die Blumen? Ganz einfach: Osterglocken – aber wir kennen sie besser als Küchenschellen oder Kuhschellen.

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