Erst grün, dann rot, dann kohlrabenschwarz – in dieser Reihenfolge verändern sich die Früchte von einem bei uns nicht seltenen Strauch: der Wollige Schneeball (Viburnum lantana). Oft sieht man alle Reifestadien der leicht abgeflachten Steinfrüchte miteinander in der Scheindolde. Zuletzt schrumpeln die schwarzen „Beeren“ zusammen und erinnern an Schmutz, daher auch die Namen Dreckbeeren, Schmutzbeeren, Bären-, Katzen-, Fliegendreck, englisch sheep’s turds (Schafsköttel) oder elegant französisch merde de chat (Katzenkacke).
Nicht unbedingt ein Genuss








Wer wollte so etwas schon essen? Aber schließlich sind es Früchte, und mindestens in Notzeiten hat keiner so etwas an den Sträuchern hängen lassen. Volksnamen wie Heu- oder Haubeeren, Heumauken oder -mauzen erzählen davon, denn man legte die Früchte zum Nachreifen ins Heu oder Stroh, wo sie dörrten und geschmackvoller, einfach süßer wurden. Vor allem Kinder pflegten diese Technik, um sich heimlich mit etwas Süßem zu versorgen. Mauken oder Maunzen sind Früchte oder andere Süßigkeiten, die von Kindern unter den Betten gesammelt und versteckt wurden. Doch weil die Hundsbeeren oder Pappadreckl nicht so besonders geschmackvoll sind, macht das heute keiner mehr. Im Gegenteil, die Schneeballfrüchte werden als giftig bezeichnet.
Entwarnung
Giftig oder nicht? Die Wahrheit liegt wieder einmal dazwischen. Unreif eher giftig (können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall verursachen), reif dagegen nicht. Das gilt für die Früchte, denn Rinde und Blätter gelten doch eher als giftig aufgrund von ß-Amyrin, Oxalaten und Viburnin. Vollreife bzw. verarbeitete (gekochte, getrocknete) Früchte sind wohl allen bisherigen Erkenntnissen nach unbedenklich. Aber nur weil jetzt Entwarnung gegeben wurde, muss man die Früchte wirklich nicht verzehren – der Geschmack ist wirklich nicht besonders ansprechend.

Für die weiteren Schneeball-Arten wie Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus), Runzelblättriger Schneeball (Viburnum rhytidophyllum) oder Duft-Schneeball (Viburnum bodnantense) gilt Ähnliches. Mehr dazu in meinen Artikeln „Schneeball: giftig oder nicht?“ und „Verlockende Beeren„.