Liebesperlen? Das sind doch bunte Zuckerkügelchen, die auf Pralinen, Keksen oder Schokokringeln gestreut werden. Verführerisch! Hier scheinen solche süßen Streusel oder Nonpareilles an Zweigen zu wachsen, wenn auch nur in Violett. Schau, wie süß – ob die auch süß schmecken?

Lila Versuchung
Der Liebesperlenstrauch (Callicarpa bodinieri var. giraldii, C. giraldii), auch Chinesische oder Purpur-Schönfrucht oder englisch Beautyberry genannt, trägt kleine Steinfrüchte in einer für Pflanzen sehr ungewöhnlichen Farbe. Sie reifen im Herbst und bleiben oft bis tief in den Winter an den Zweigen des kleinen Zierstrauchs hängen, wenn alle Blätter schon längst abgefallen sind. Kann man die essen?

Violette Unübersichtlichkeit
Besser nicht, denn allgemein gelten die Früchte der Callicarpa-Arten als giftig. Verwunderlich ist, dass das Gehölz von den einen zu den Eisenkrautgewächsen (Verbenaceae), von anderen Fachleuten auch zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) gestellt wird – unter den Eisenkrautgewächsen gibt es durchaus Giftpflanzen wie das Wandelröschen (Lantana), unter den Lippenblütlern nur sehr wenige wie die Polei-Minze (Mentha pulegium). Wieder einmal gilt: Nix Genaues weiß man nicht.

Glänzend für Deko
Vom Botanischen Garten der TU Dresden wird verlautbart: „Die Gattung Callicarpa umfasst etwa 160 Arten. Die meisten davon sind im subtropischen und tropischen Asien bis Australien zu Hause, einige wenige stammen aus Amerika und Afrika. Ethnobotanische Studien dokumentieren für verschiedene Arten eine vielfältige traditionelle Nutzung, die von der Entwurmungskur über Wundbehandlungen bis zum Fischgift reicht. Die genauen Inhaltsstoffe sind vielfach noch nicht hinreichend untersucht, sodass man von einem Selbstversuch absehen und die Nutzung lieber auf die Tischdekoration beschränken sollte.“ Auch andere Fachleute und Institutionen äußern sich analog, stufen die Früchte vom Liebesperlenstrauch als giftig ein, meistens aber als leicht bis minder giftig.

Immerhin hat der Liebesperlenstrauch aber ganz besondere Inhaltsstoffe zu bieten, die untersucht werden: Mücken, Zecken und andere Insekten abwehrende Substanzen wie z.B. Callicarpenal. Daraus wird versucht, ein wirksames Repellent zu entwickeln.