Wilder Dost

Schmetterlingsmagnet, Pizzagewürz und fast schon vergessene Heilpflanze

Wenn der Dost, oft besser bekannt als Wilder Majoran oder Oregano, in voller Blüte steht, summt und brummt, schwirrt und flirrt es rund ihn. Von zahllosen Insekten wird das ursprünglich mediterrane Kraut als ergiebige Nektarquelle innig geliebt. Heiß begehrt wird Dost auch als Gewürz für Pizza und Pasta, kaum eine südländische Speise kommt ohne sein typisches Aroma aus. In der Heilkunde dagegen fristet der sonnenhungrige Dost noch ein Schattendasein. Höchste Zeit, ihn ins Licht zu holen, denn in ihm schlummern erstaunliche Kräfte.

Wider alle Teufel

Dost stand den Menschen zu allen Zeiten schützend zur Seite, wenn es darum ging, böse Mächte fernzuhalten. „Hättest Du nicht Dorant und Dosten tät es Dich das Leben kosten!“ soll der Teufel zu einem Mädchen gesagt haben, dass sich zwischen die duftenden Pflanzen geflüchtet hatte. Der „unsichtbare“ Geruch soll den unsichtbaren Geist vertreiben, so beschreibt Max Höfler 1893 in der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, warum die Menschen stark riechende Kräuter gegen alle möglichen Bedrohungen eingesetzt haben.

Ein Kraut für viele Fälle

Origanum vulgare (so lautet der wissenschaftliche Name des Dosts, was übersetzt so viel wie Schmuck der Berge heißt) wurde der Braut bei der Hochzeit in den Schuh gelegt und in den Brautstrauß gebunden, als Amulett wurde das Kraut um den Hals getragen, als Sträußchen ans Schlafkammerfenster genagelt und als Büschel an die Wiege gehängt. Bereits im antiken Griechenland mischte man Dost unters Stroh des Bettlagers, um Schlangen und Skorpione abzuwehren. Im Mittelalter gehörte Dost zu den Kräutern des Liebfrauenbettstrohs, das man Gebärenden unterlegte. Zusammen mit Johanniskraut, Labkraut und Quendel sollte Dost dafür sorgen, dass die Geburt gut verlief Mutter und Kind vor Krankheiten wie Kindbettfieber bewahren sollte. Tatsächlich wirken die ätherischen Öle dieser Kräuter sehr gut gegen infektiöse Keime.

Meister der guten Laune

Zudem sorgt Dost mit seinem würzigen, pfeffrig-orangenartigen Duft für gute Laune, wird deshalb auch Wohlgemut genannt. Den Mähern und Schnittern mischte man ihn unters Essen, damit sie ihr Tagwerk frohen Mutes und voller Elan erledigen konnten. Ein Volkslied erzählt, wozu Dost noch diente: „Ein Blümlein auf der Heiden mit Namen Wohlgemut, lass uns der lieb‘ Gott wachsen, das ist für Trauern gut.“ Oreganoöl wirkt beruhigend und ausgleichend auf die Psyche. Es lässt Schwermut schwinden, richtet seelisch auf und macht fröhlich.

Vielseitig verwendbar

Als antidämonisches Kraut hatte der Dost vor allem in früheren Zeiten den Ruf eines Allheilmittels. „Nimm Dosten und Johannesblut, die sind für alle Krankheit gut!“, diese alte Volksweisheit beschreibt das sehr eindrucksvoll. Husten und Heiserkeit, Leber- und Lungenleiden, Magengrimmen und Darmbeschwerden, Juckreiz und Hautprobleme – das sind auch heute noch typische Anwendungsgebiete für Dost als Heilpflanze.

Hochwirksame Inhaltsstoffe

Kräftig aromatisch und leicht bitter, sein Geschmack macht die verdauungsfördernde Wirkung vom Dost aus. Besonders wertvoll machen den Dost aber seine ätherischen Öle. Sie sorgen nicht nur für Entkrampfung, sondern auch dafür, dass Schleim leichter aus den Atemwegen transportiert und Entzündungen eingedämmt werden. Dost wird daher bei Menstruationsbeschwerden wie bei Husten empfohlen.

In den Mittelpunkt der aktuellen Forschung rückt Dost genau wegen der besonderen Eigenschaften seiner ätherischen Öle. Sie haben sich – zumindest im Labor – als wirksame Waffe gegen schwierig zu behandelnde Bakterien und andere Keime erwiesen, insbesondere auch gegen multiresistente Staphylokokken, den gefürchteten Magenkeim Helicobacter pylori und gegen Candida-Pilze.

Wächst wild und würzt mild

Eine derart breite Wirkungsspanne gepaart mit einem aromatischen Wohlgeschmack macht den Dost zu einem idealen Küchenkraut, das schon beim Essen für „Wohlgemut“ und Wohlergehen sorgt. Was gibt es Besseres, als bei genussvollen Essen gleich etwas Gutes für die Gesundheit zu tun? Während der Dost, anders als der mit ihm eng verwandte Majoran (Origanum majorana) in der deutschen Küche eine eher untergeordnete Rolle spielt, kommt er in der mediterranen Kochkunst ausgiebig zu Ehren. Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien – alle Mittelmeerländer verehren den Origano, Rigani, Origan, Orégano, nicht nur zu Pizza und Pasta. Dost passt ebenso in Salate, Saucen und Suppen, in Brot und herzhaftes Kleingebäck, zu Gemüse wie zu Eierspeisen und Lamm.

Dost im Garten

Einmal Dost im Garten, immer Dost im Garten. Das Kraut versamt sich gut, es wird niemals mehr verschwinden, wenn man dem Dost nur warme, sonnige Stellen mit durchlässigen, kalkhaltigen Boden gönnt. Je heißer die Sonne auf ihn brennt, desto mehr Aroma entfaltet er, desto heilkräftiger gilt er dann auch. Dost verträgt sich gut mit Lavendel und Rosmarin, mit Schafgarbe und Nelken (Kartäuser-, Pfingst-, Federnelke) macht selbst neben Rosen eine gute Figur.

Neben dem Wilden Dost halten Gärtner noch weitere Oregano-Formen bereit. Eine kleinwüchsige, würzkräftige Auslese ist der Kissendost (Sorte ‚Compactum‘), die sich auch gut für Kräuterkästen und Kübel eignet. Mit der wohl stärksten Würzkraft ausgestattet sind der Pizzadost (Origanum vulgare ssp. hirtum) sowie die Sorte ‚Hot & Spicy‘, beide wintergrün mit stark behaarten Blättern, aber nicht zuverlässig winterhart. Wer auf besonders schöne, üppige Blüten Wert legt, der greift zur Sorte ‚Rosenkuppel‘, da ist der Name Programm. Etwas Besonderes ist der Diptam-Dost (Origanum dictamnus) mit weißfilzigen Blättern und an Hopfendolden erinnernden, grün-rosa Blütenständen. Er wird auch als Kretischer Bergtee bezeichnet.

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