Im Übergang vom Sommer zum Herbst leuchtet der Rainfarn (Tanacetum vulgare) mit goldgelben Blüten, vor allem entlang von Feld- und Wegrändern, Bächen und Gräben, an Schuttplätzen und Bahndämmen, gerne auch dort, wo es gebrannt hat (Johannifeuerstellen u.ä.). Beifuß (Artemisia vulgaris), Wilde Möhre (Daucus carota), Große Klette (Arctium lappa), Weißer Gänsefuß (Chenopodium album) und Königskerzen (Verbascum) sind häufig seine Begleiter.
Namensgeber Blatt und Blüte

Wegen seiner gefiederten, am Rand gesägten Blättern wird der Rainfarn mit Farnen verglichen. Weil der Korbblütler am Feldrand (Rain) wächst, ist damit der Name Rainfarn schnell erklärt. Ursprünglich nannte man ihn wohl reinfano oder reinefano, was sich als „Grenzfahne“ deuten lässt: Hochwüchsig, auffallend gelb, am Randstreifen – eine Fahne an der Grenze zwischen Feldern oder zwischen Acker und Weg.

Rainfarn trägt seine Blüten in Körbchen, die wiederum in Doldenrispen zusammengefasst stehen. Bis zu 100 zwittrige Röhrenblüten drängen sich zusammen, was ihnen das Aussehen von Knöpfen verleiht. Daher kommen Volksnamen wie Knopfblume, Knöpfchenkraut, Gelbe Knöpfchen, Goldknoppen, Hemden-, Hosen-, Wams- oder Westenknöpfe, Johannes- oder Husarenknöpfe. Aber auch zu Bezeichnungen wie Goldstängel, Goldner Reif oder Goldener Regenbogen fühlten sich die Menschen inspiriert.
Stinkt er oder duftet er?

Das ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Abstoßend bis widerwärtig sei sein Geruch – sagen die einen. Moschus- bis kampferartig, sagen die anderen. Wen wundert’s, dass sich auch diese Eigenschaft in Namen wir Stinker, Moschuskraut oder Ambrosia (nicht zu verwechseln mit dem Ragweed, Ambrosia artemisiifolia, das aber ebenfalls stark riecht) niedergeschlagen hat. Der Geruch ist auch nicht bei allen Pflanzen gleich, denn je nach Chemotyp setzen sich die ätherischen Öle im Rainfarn unterschiedlich zusammen.
Geliebt oder gehasst?

Manche Tiere mögen Rainfarn sehr, z.B. viele Raupen, Käfer, Wanzen oder Wildbienen. Andere wieder lassen sich mit Rainfarn vertreiben oder bekämpfen. Früher streute man Rainfarn aus, um Ungeziefer fernzuhalten. Kartoffelkäfer und Kohlweißlinge lassen sich mit Rainfarn-Pulver, -tee oder -brühe ebenso vertreiben wie Ameisen oder Erdflöhe. Auch Kopfläuse und Flöhe ließen sich mit Rainfarn aus den Betten jagen. Neben Wanzen- oder Flohkraut erhielt der Rainfarn auch den Namen Wurmkraut, weil er gegen Eingeweidewürmer bei Mensch und Haustieren eingesetzt wurde. Bitte beachten, dass Rainfarn zu den Giftpflanzen gehört. Mehr dazu in meinem Artikel „Rainfarn: giftig oder nicht?„.
Maria zu Ehren

Muttergottesrute, Muttergottesstab, Feldmarienblume oder auch Muttergottesküchelchen sind Namen, die auf christliche Gebräuche zurückgehen. Rainfarn gehört in den Kräuterbuschen oder Krautwisch am 15. August. Als Himmelbettstroh oder Unseres Lieben Herrn Bettstroh mischte man Rainfarn in die Lager der Gebärenden, zusammen mit Echtem Labkraut (Galium verum), Thymian (Thymus vulgaris) und anderen duftenden Gewächsen.
Vergleiche mit anderen Kräutern und mehr

Gelbe Schafgarbe, Gelbe Kamille, Wilder Wermut – alles Namen, die Ähnlichkeiten mit anderen Kräutern ausdrücken. Nicht zuletzt gilt das ja auch für Farnkraut, Farnblume, Farngrün oder Hundsfarn.

Mir gefällt der Name Männertrau, denn im Gegensatz zum Männertreu (der für Ehrenpreise, Veronica-Arten, gilt, weil sie ihre Blüten sehr schnell verlieren, also „treu wie Männer“ sind) halten die Blütenköpfchen vom Rainfarn unerhört lange. Trau, schau, wem…