Laub vom letzten Jahr

Wer jetzt durch den Laubwald geht, spaziert auf einem dicken, weichen, federnden Laubteppich. Vor allem im Buchenwald. Denn Buchenblätter verrotten nur sehr langsam, wegen der vielen enthaltenen Gerbstoffe. Das ist äußerst angenehm zum Gehen, schont die Gelenke. Das Laub bleibt heute im Wald, sorgt für eine gute Bodenfruchtbarkeit, lässt Bäume und andere Pflanzen gut gedeihen. Früher dagegen hat man das Laub aus dem Wald geholt, regelrecht geerntet. Sauber zusammengekehrt, bis auf den letzten Fitzel aus dem Wald getragen. Und damit den Waldboden verarmen lassen… Warum nur? Laub war bis ins letzte Jahrhundert ein wichtiges Naturprodukt:Während Laub  heute eher für Ärgernis und Nachbarschaftsstreit sorgt, wurde es früher, wo es kein Stroh gab, als Einstreu im Stall genutzt und ergab nach dem Ausräumen und Ablagern ein unverzichtbares Düngemittel für Kartoffeläcker und Wiesen. Daneben war vor allem Buchenlaub als Bettlaub beliebt: Trockene Blätter stopfte man in Matratzen und Zudecken. Solch ein Laubsack hielt schön warm. Er wurde morgens nicht aufgeschüttelt, sondern aufgelockert, indem man durch die seitliche Öffnung in den Bettbezug mit den Armen hineinfuhr und die Blätter sorgsam durchraschelte.

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