Kletteleien 2

Arctium 3Kletteleien, eine Geschichte in vier Teilen, heute Teil 2:

Damit ihre Kinder es immer mollig warm hatten, streckte die Pflanzenmutter die kugeligen Stübchen an derben Stängeln der Sonne entgegen. In der Höhe hatten die Sprösslinge wunderbaren Ausblick und konnten, wie es Kinderart ist, alles in der Umgebung genau beobachten. „Was fliegt denn da?“, wollten sie von der Pflanzenmutter wissen. „Die Kinder vom Wiesenbocksbart.“, erklärte diese, „Sie segeln an ihren Fallschirmen in die Ferne.“ Da kribbelte und krabbelte es in den Kinderzimmern. „Fliegen, fliegen, mit dem Wind, das möchten wir auch geschwind!“ Die Blattohren gerieten ins Wedeln. „Nein, nein, bleibt ihr nur hier, vom Fliegen wird’s nur übel dir.“ Die Pflanzenmutter verhakte die Hüllen der Stuben ein wenig mehr, dass nur ja niemand ausrisse. Mit dem Wind fliegen, so weit käme es noch. Man zöge doch keine Luftikusse. Verköstigte ihren Nachwuchs und wiegte ihn in süßen Schlaf. So träumten alle von trauter Anhänglichkeit.

Aus den erbsenzwergigen Wiegen waren haselnussgroße Kabäuschen geworden, in denen die Halbwüchsigen kicherten und stichelten. Vorwitzig spähte der Nachwuchs in die Ferne und beobachtete voller Interesse, wie die Vögel an der Hecke munter von Zweig zu Zweig hüpften und mit ihren Schnäbeln lauter rote Dinger pflückten. „Mutter, was holen die Vögel?“ wollten die Kinder wissen. „Sie nehmen die Kinder vom Weißdorn mit in die Fremde.“, erklärte die Pflanzenmutter. „Au ja, au fein, da wollen wir dabei sein!“, schallte es aus vielen Kehlen. Beunruhigt hoben und senkten sich heftig die Blätterohren. „Nein, nein, bleibt ihr nur hier, wer weiß, wie’s steht mit dem Getier.“ Mit fremden Leuten geht man nicht mit, klärte die Pflanzenmutter auf, da kann ja sonst was passieren. Sorgsam prüfte sie, dass die Bande schön artig in ihren Kammern blieb, und servierte schleunigst das Abendessen.

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