Jambon du Jardinieres (Gärtnerschinken) vulgo Nachtkerze (Oenothera) könnt Ihr für die verschiedensten Gerichte einsetzen. Das Hauptinteresse gilt den fleischigen, rübenartigen Wurzeln, die wegen ihrer rosa-weißen Färbung Schinkenwurzeln genannt werden.
Kraftgemüse und Lieblingsspeise von Goethe
Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die gelb blühenden Nachtkerzen als reine Zierpflanzen erstmals im Botanischen Garten von Padua aus Samen angezogen. Doch schon bald entdeckte man ihre Wurzeln als schmackhaftes wie nahrhaftes Gemüse. Als Rapontika oder Gelbe Rapunzeln wurden sie angebaut. Geheimrat Goethe schickte seiner Frau Samen mit Anweisungen, wie sie diese anzusäen hatte.

Die aus Amerika stammenden Nachtkerzen verwilderten rasch und verbreiteten sich vor allem entlang der Schienenwege über ganz Europa. In den Gärtchen der Schrankenwärter leuchteten die „Eisenbahnerlaternen“ und lieferten ab Herbst gehaltvolle Wurzelnahrung. Pro Pfund stecke darin mehr als ein Zentner Ochsenfleisch, so rühmte man die Nachtkerzen.
Herbst- und Winterwurzelküche

Im Geschmack erinnern Schinkenwurzeln, die vor allem vom Spätherbst bis ins zeitige Frühjahr geerntet werden, an eine Kombination aus Pastinak, Schwarzwurzel und Sellerie mit pfeffriger Note. Wie diese Wurzelgemüse lassen sie sich ähnlich in der Küche einsetzen, roh geraspelt, sanft gedünstet oder resch geröstet: Als Salat mit Vogelsalat und Äpfeln, in Bierteig ausgebacken mit Aioli, in einer cremigen Suppe (dazu Cracker mit Nachtkerzensamen), als Pfannengemüse mit Curry und Kokosmilch, klassisch geschmort oder als Auflauf mit Béchamel… aber da fallen Euch sicher noch ganz andere Rezepte ein!

Nachtkerzen-Blattrosette – unter dieser verbirgt sich in der Erde zum Ende des ersten Wuchsjahres eine fleischige, mindestens daumendicke Rübenwurzel in weiß-rot, schinkenfarbig eben.

Ab und zu als Rapontikwurzeln bekommt man Saatgut für Auslesen von Nachtkerzen, die im Gemüsebeet angezogen werden ähnlich wie Möhren.
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