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Wolf, ich hör dir trapsen?

Nicht die Nachtigall, die durch den Wald stampft und sich durch lautes Getrappel verrät – auch kein Wolf, der ungeschickt durchs Gebüsch trottet: Ich spreche vom Wolfstrapp, genauer Ufer-Wolfstrapp (Lycopus europaeus). Ein Lippenblütler, den kaum jemand bemerkt, obwohl er entlang von Gräben und Bächen, See- und Flussufern sowie an nassen Stellen in Waldlichtungen durchaus häufig vorkommt. Wolfstrapp?

Schaf im Wolfspelz?

Was hat unsere Vorfahren nur dazu bewogen, der Pflanze diesen Namen zu geben? Die Blattform – lanzettlich bis eiförmig, stark gezähnt bis fiederspaltig – kann es kaum sein, denn sie ähnelt in keiner Weise einer Tatze, einem Fuß, einer Klaue. Selbiges gilt für die Gesamtgestalt oder für die Blüten. Lycopus bedeutet auch nicht anderes als Wolfsfuß (nach griech. lycos = Wolf und podos = Fuß). Es bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen, was der Grund für diese eigenartige Benennung war.

Schwarzmacher

Logischer klingen Bezeichnungen wie Wasser-Andorn (wegen der Ähnlichkeit mit dem Gewöhnlichen Andorn, Marrubium vulgare) oder Wasser-Herzgespann (ähnlich dem Herzgespann, Leonurus cardiaca). Insbesondere letzter Name passt viel besser, weil auch der Ufer-Wolfstrapp heilkundlich ähnlich verwendet wird. Grüne Blätter und weiße Blüten mit rosaroter Zeichnung ergeben beim Ufer-Wolfstrapp schwarz: Man kann Stoffe mit dem Kraut schwarz färben. Schwarz war einst eine begehrte und kostbare Farbe, schwarze Kleidung ein Modetrend und Statussymbol, das Schwarzfärben ein eigenes Handwerk. Gypsywort, Gipsyherb, Zigeunerkraut (soll man aus ethischen Gründen nicht mehr verwenden, hier steht es aber aus historischen Gründen geschrieben) hieß der Wolfstrapp deshalb auch, weil Menschen dieser Ethnie den Pflanzensaft vom Wolfstrapp zum Dunkelfärben der Haut nutzten.

Der Wolf trapst kaum noch

Unruhe, Reizbarkeit, Ängste, Schlafstörungen, Herzklopfen, Herzrasen und vermehrtes Schwitzen, ganz allgemein vegetativ-nervöse Beschwerden – dagegen wird, besser wurde der Ufer-Wolfstrapp eingesetzt. Bei leichter Überfunktion der Schilddrüse, die derartige Probleme oft hervorruft, hat man auf diese Pflanze zurückgegriffen. Allerdings ist die Datenlage über Wirksamkeit sehr, deshalb gerät die alte Heilpflanze mehr und mehr in Vergessenheit. Auch Schmerzen und Spannungsgefühle in der Brust kann der Ufer-Wolfstrapp laut Erfahrungsheilkunde lindern, etwa in Zusammenhang mit PMS (prämenstruelles Syndrom). Immer nur nach ärztlicher Rücksprache!

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