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Ein Kraut fürs Herz

Pflanzen gehen einem ja ganz allgemein ans Herz. Einige haben aber eine direkte Wirkung auf das Organ, als „Herzensschmeichler“ ist etwa der Weißdorn (Crataegus), als „Herzfreude“ die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) oder als „Herzfreund“ der Waldmeister (Galium odoratum) berühmt. Dank ihrer Inhaltsstoffe wirken sie auf die Leistungskraft unseres Herzens. In diese Reihe gehört auch eine Kraut, das früher häufig zu finden war, nach dem man heute aber schon suchen muss: das Herzgespann (Leonurus cardiaca). Laut den Roten Listen gilt es vielerorts als stark gefährdet.

Auffällig und einprägsam

Dieser Lippenblütler besticht durch seine prägnante, kerzengerade aufragenden Gestalt. Meistens ragt er hoch über andere Kräuter und Gräser auf, seine weichen, unterseits behaarten Blätter mit plastisch ausgebildeten Blattadern sind im unteren Bereich des kräftigen vierkantigen Stängels handförmig, im oberen meist dreispaltig – ähnlich einem Löwenschweif.

Blätter im unteren Stängelbereich handförmig

Schon sind wir beim Gattungsnamen Leonurus: Löwenschwanz. Der Artzusatz cardiaca (nach griech. cardia = Herz) weist auf die Beziehung zum Herzen hin. Der Name Löwenschwanz kann sich aber auch auf die Erscheinung der Blütenähre beziehen. In den Blattachsen, gehäuft an der Sprossspitze, reihen sich cremeweiße bis rosafarbene Lippenblüten in Quirlen auf.

Herzgespann oder Herzgesperr

Der merkwürdig klingende Name Herzgespann bzw. Herzgesperr gründet sich auf die Verwendung als Heilpflanze. Im Mittelalter wurde es in den Klostergärten kultiviert und gegen Magenbeschwerden, Gliederlähmung, Epilepsie und böse Geister eingesetzt. Vor allem aber hatte es den Ruf, das Herz so stark zu machen wie das eines Löwen. Laut Matthiolus sei das Kraut „…fürtreffenlich gut zu dem Zittern und Klopfen deß Hertzen.“ Die Begriffe Gespann und Gesperr bezeichnen ganz allgemein Schmerzen, aber auch Krampf, Drücken, Klopfen. Herzheil, Herzgold, Herzkräutl, Herzkrampfkraut nannte man es auch.

Herzerleichternd

Eine Studie am Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Leipzig konnte belegen, dass die Inhaltsstoffe der Pflanze (Iridoidglykoside, Flavonoide, Bitterstoffe, Stachydrin, Leonurin u.a.) die Blutversorgung des Herzens verbessern, die Frequenz des Herzschlags verlangsamen wie stabilisieren und den Blutdruck senken – damit das Herz entlasten. Die HMPC stuft das Herzgespann als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein. Empfohlen wird es als Tee, Tinktur oder Fertigarzneimittel wie Extrakt bei nervösen Herzbeschwerden (wenn organische Ursachen ausgeschlossen wurden), aber auch bei Wechseljahrbeschwerden wie nervöser Unruhe, Schlafstörungen oder Hitzewallungen.

Hochbegehrt

Das Herzgespann ist eine bei Insekten sehr beliebte Pflanze, weil es über einen langen Zeitraum von Juni bis September Nektar und Pollen spendet. Wildbienen wie die Schwarze Holzbiene und Hummeln drängen sich ebenso an die Blüten wie auch Schmetterlinge. Also reingepflanzt in Gärten und Beete, hier finden sich genügend Plätzchen, an denen das Kraut überleben kann. Zudem können sich unsere Herzen am Anblick erfreuen und beim Beobachten der Insekten entspannen! Natur genießen tut jedem Herzen gut. Aus dem Garten darf man das Herzgespann dann auch ohne Bedenken ernten.

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