„Unkraut“ im Garten: Kompasslattich

„Unkraut“ im Garten: Kompasslattich

Schauen wir doch mal, was da im Garten (aber auch um den Garten herum, am Feldrain, am Parkplatz, am Wegrand usw.) so alles wächst. Erste Entdeckung: der Kompass-Lattich (Lactuca serriola). Typisch sind die blaugrünen, stark gebuchteten, unterseits mit markanten Stacheln versehenen, hochkant aufgerichteten Blätter, die wie Kompassnadeln wirken – damit verhindert die Pflanze, dass pralles Sonnenlicht direkt auf die Blattflächen fällt und sie austrocknet. So abweisend der Kompass-Lattich auf den ersten Blick wirkt, so erstaunlich zeigt er sich bei näherer Betrachtung. Er ist doch tatsächlich essbar! Immerhin ist er der Vorfahr unseres Gartensalats (Lactuca sativa)…

Weil er ziemlich viele Bitterstoffe in seinem Milchsaft enthält, werden für die Küche sehr junge Blätter und Triebspitzen bevorzugt. Dank seiner Bitterstoffe lassen ihn aber auch die Schnecken links liegen, was man beim Gartensalat nun nicht unbedingt behaupten kann. Denn die meisten Sorten von diesem enthalten kaum noch bittere Substanzen, die Fraßfeinde abhalten, uns Menschen als „Fraßfeinde“ inklusive.

`Forellenschluss´- eine historische Bindesalatsorte

Da haben wir den Salat
Alte Gartensalatsorten enthalten noch mehr Bitterstoffe – etwa die historischen Sorten von Schnittsalat oder Bindesalat. Durch gründliches Waschen schwemmt man viel vom Milchsaft aus, macht man den Salat milder. Das gilt natürlich auch für den Kompass-Lattich. Obwohl, früher brannte man aus diesem Lattich ein Wasser, das Lattichwasser, was als Heilmittel gegen Leberleiden eingesetzt wurde. Und alleine die alten Volksnamen Wilder Salat, Mauersalat, Ackersalat weisen auf einstige Nutzung dieser Pflanze hin. Mir schmeckt der Kompass-Lattich gut in einem Omelette oder Kartoffelrösti. Blätter klein hacken und unter die Eier bzw. Kartoffeln mischen, mitbacken bzw. -braten.

Da war doch noch was…
Salat gilt laut Volksweisheit als Liebestöter. Er macht müde, heißt es. Wirklich? Aus dem Milchsaft des Lattichs (vorzugsweise vom Gift-Lattich, Lactuca virosa – entgegen des Namens wurden nie ernsthafte Vergiftungen mit ihm bekannt) wurde früher Lactuarium gewonnen, ähnlich wie Opium aus den Schlafmohnkapseln. Als Mittel gegen Schmerzen, zur Beruhigung, zum Einschlafen. Während der Hochzeit der Hippies ist Lactuarium zu neuer Berühmtheit gelangt, aber dann schnell wieder in Vergessenheit geraten – weil es wohl doch nicht wirksam war.

Aber spannend!

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