Königlich und doch elfenhaft

Aufrecht und stark, samtig und golden – Königkerzen sind wahrhaft majestätische Pflanzen. Sie bilden oft den leuchtenden Stab inmitten von Kräuterbuschen, sie recken sich vielerorts in Gärten dem Himmel entgegen. Und ziehen stets alle Blicke auf sich. Auch die von Insekten.

Prächtig, aber heuchlerisch

Nicht allein das intensive Gelb der Blüten lockt, es sind auch die puschelig behaarten Staubblätter, oft kontrastreich gefärbt. Diese Staubblatthaare an Königskerzen deutete man früher als Futterhaare, heute werden sie meistens als Attrappen interpretiert, damit gehören die Königskerzen zu den sog. Täuschblumen. Denn sie schützen reichlich Nahrung vor, die sie überhaupt nicht bieten.
Vorteil für die Pflanze ist natürlich: sie spart Energie. Pollenproduktion kostet wertvolle Reservestoffe, die anderswo effektiver eingesetzt werden können. Nachteil: Bienen fallen darauf nicht so oft rein. Die Tiere lernen, Kundschafterbienen zeigen ihren Kolleginnen bei den Schwänzeltänzen, wo sich andere lohnende Blüten befinden. Viele Fliegen dagegen besuchen Täuschblumen mit schöner Regelmäßigkeit.
Und wer hat’s gefunden, erforscht und im Bild festgehalten? Kräuterpädagogin Simone Braun mit viel Entdeckerfreude!

Märchenhaftes

Rund um die Königskerze tanzen Elfen im Mondschein, da schimmern die Blüten hell und laden zur Party ein. Dabei geht es bald lustig und ausgelassen zu, die Elfen schwingen ihre kleinen Zauberstäbe voller Begeisterung herum und stoßen trunken vor Freude immer wieder an die Königskerze. Und schon fallen einige Blüten ab, die morgens auf dem Boden liegen und überhaupt nicht verblüht aussehen. Die Reste vom Fest – nur diese darf man sammeln. Damit man den Elfen ihre Freude in den nächsten Nächten nicht verdirbt!

Die Königskerze

Oberon der Elfenkönig
Tanzet mit Titania;
Grillen Heimchen zittertönig
Spielen auf von fern und nah.

Eine schlanke Königskerze
Von dem Boden sprosst empor,
Um sie dreht in leichtem Scherze
Tanzend sich der Elfen Chor.

Und die Elfen, aufzuhüpfen
Mühen sie sich unterm Tanz,
Möchten ab der Kerze strüpfen
Ihrer vielen Lichter Glanz.

Löschen wollen sie das Funkeln,
Dass Titanias strenger Mann
Ihre freien Scherz’ im Dunkeln
Ihnen nicht verheben kann.

Doch die Königskerze hebet
Sich auf Oberons Geheiß
Höher, und zu leuchten strebet
Sie zum Trotz dem Elfenfleiß.

Wie sich auf ein Elfe strecket
Und ihr unten löscht das Licht,
Ist ein neues angestecket
Oben, und er merkt es nicht.

Wann die Morgenlüfte blasen,
Ist verweht der Elfen Spur;
Wo sie tanzten auf dem Rasen
Bleibt ein fahler Kringel nur.

Doch die Königskerze blühet
Höher jetzt und zeiget an,
Wie die Elfen sich bemühet,
Und kein Leides ihr getan.

Friedrich Rückert

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