Zur Advents- und Weihnachtszeit blüht eine Rose auf! Eine Wüstenrose, keine Vertreterin aus der Familie der Rosengewächse. Eine Christrose ist hier ebenfalls nicht gemeint. Unter dem Namen „Rose von Jericho“ versteht man vielmehr poikilohydre Pflanzen, die in Dürrezeiten absterben, sich mit Wasser aber scheinbar wiederbeleben lassen. Diese „Auferstehung“ ist allerdings rein physikalisch bedingt, das Gewebe, zu dürren Knäueln zusammengerollt, saugt sich mit Feuchtigkeit voll. Dadurch entrollen sich die Triebe, auch die Färbung wechselt von trocken-braun zu einem frischer anmutenden Oliv. Die „Rosen“ werden vermeintlich wieder lebendig. Dieser Vorgang kann beliebig oft wiederholt werden, daher sah man die Pflanzen als unsterblich an.
Kostbar wie edle Rosen


Wenn sich Pflanzen derart ungewöhnlich zeigen, werden sie schnell als Wunder bestaunt. Die Kreuzritter im Mittelalter brachten vermutlich die Rosen von Jericho aus dem Heiligen Land nach Europa, priesen sie als heilige Mysterien, reihten sie unter die kostbaren Reliquien ein und verkauften sie teuer. Weil Jerichorosen als geburtsfördernd galten, erzählte man die Legende, dass Maria auf der Flucht vor Herodes nach Ägypten der Pflanze ewiges Leben verliehen hat. Wenn sie zu Weihnachten wie eine Rose „erblüht“, dann zeigt sich darin das Wunder der Geburt Christi.
Drei „Rosen“ von Jericho

Ein Kreuzblütengewächs namens Anastatica hierochuntica gilt als die Echte Rose von Jericho, auch Wüsten-, Jerusalem- oder Marienrose genannt. Das einjährige Gewächs aus Wüsten und Steppen Westasiens krümmt seine Triebe über den Früchten schützend zusammen und breitet sie, sobald es genügend feucht wird, um eine Keimung zu erlauben, wieder aus, damit die Samen herausfallen können.

Die Unechte Rose von Jericho (Selaginella lepidophylla) gehört zu den Moosfarngewächsen, die in wüstenhaften Regionen in den südlichen USA bis Mexiko heimisch ist. Das Verhalten, sich bei Trockenheit zu einem Ball zusammenzuziehen und bei Feuchtigkeit wieder flach auszubreiten, ist eine Anpassung an die Lebensbedingungen. Es funktioniert bei lebenden Pflanzen (die dann auch wieder grün werden und Photosynthese betreiben) ebenso wie bei abgestorbenen (die jedoch nicht wirklich ergrünen).

Ein Korbblütler aus Nordafrika trägt ebenfalls die Bezeichnung „Rose von Jericho“, nämlich Pallenis hierichuntica. Diese Art kommt von Algerien über die gesamte Sahara iund den Mittelmeerraum bis Iran vor. Hier biegen sich die grauen Hüllblätter des Köpfchens über den reifen Früchten zusammen, solange es trocken ist. Wird es feucht, öffnen sie sich innerhalb weniger Minuten, so dass die reifen Achänen von Regentropfen herausgeschleudert werden können.
