Fortsetzung zum Artikel über die Wilde Möhre von gestern: Rübe – Schimpfwort? Die Gestalt der Möhrenwurzel erinnerte das Volk schon immer an das männliche Glied. Möhren wurden im antiken Griechenland als philtrum (Liebesmittel) gerühmt. Wer sie aß, förderte damit den Geschlechtstrieb.
Dioscurides sagt: „Der Same getrunken oder im Zäpfchen eingelegt befördert die Menstruation, ferner befördert er die Empfängnis. Die Wurzel aber reizt zum Beischlaf, im Zäpfchen eingelegt wirft sie den Embryo hinaus.“ Matthiolus hält fest: „die gelben Rüben bringen die Lust zu ehelichen Werken“.

Und bei Dr. Aigremont liest man in seinem Werk „Volkserotik und Pflanzenwelt“ folgendes: „Galante Bilder des 17. und 18. Jhdt. zeigen die Rübe als Symbol des penis, so konnte ich im alten Molsdorfer Schloß bei Erfurt, das ehemals der Graf Götter hatte bauen lassen, verschiedene Bilder sehen: junge Mädchen, die kokett lächelnd auf ihrem Schoße oder in ihrer Hand Rüben hielten.“
Darf ein solches Gemüse überhaupt auf den Tisch, an dem auch Kinder sitzen?
Ehre des Mädchens, Mädchenschande nennt man die Wilde Möhre in Siebenbürgen. Der dunkelrote in der Mitte (Lockblüte bzw. -blüten) sagt aus, ob die jungte Frau noch ihre Unschuld hat oder nicht. Je größer, desto stärker die Treue. Je kleiner oder gar fehlend, desto mehr Schmach. Ob das wiederum mit dem Glauben zu tun hat, dass die Samen (Früchte) der Möhre eine Schwangerschaft verhindern?

Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien führt dazu aus: „Für den Einsatz als Verhütungsmittel werden die Samen zerstoßen oder als Tee aufgebrüht und bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mehrere Tage lang eingenommen. Wenn sie in hoher Dosierung als nachträgliche Verhütung angewandt werden, sollen sie angeblich den Eintritt einer Schwangerschaft verhindern. Im Unterschied zur medikamentösen ‚Pille danach’ blockieren sie dabei nicht schon die Befruchtung des Eies (durch Lähmung der Spermien), sondern verhindern die Einnistung des bereits befruchteten Eies in der Gebärmutterschleimhaut.“ Es soll ja Frauen geben, die dem vertrauen – oder Männer, die so etwas empfehlen…
