Wilde Möhren (Daucus carota), was sind sie schön! Einer der wenigen Doldenblütler, die von den meisten wegen ihrer unverwechselbaren Merkmale wie Spitzendeckchen (Hüllblätter) und Vogelnest (Fruchtstand) sicher identifiziert werden. Zu den Merkmalen wird auch die sog. Mohrenblüte gezählt. Eine einzelne oder ein paar wenig Blüten im Zentrum des Blütenstands sind dunkelrot bis schwarzpurpurn gefärbt. Sie stehen in deutlichem Kontrast zu den übrigen weißen Blüten, machen die Wilde Möhre für Insekten attraktiv und sind steril, setzen also keine Früchte an. Der Volksmund wie auch manche Fachleute nennen diese Lockblüten „Mohrenblüte“.

Darf man das heutzutage noch sagen? Klingt diskriminierend und rassistisch. Deshalb gibt es heute nur noch Schokoküsse, ist aus dem berühmten Sarotti-Mohr ein Magier geworden, werden Hotels, Apotheken und Straßen umbenannt. Und was machen wir jetzt mit der „Mohrenblüte“? No more Mohr?
Der Mohr der Möhre leitet sich jedoch nicht von einem dunkelhäutigen Menschen her, sondern geht aus dem indoeuropäischen Begriff Mohra, More, Morka für Rübe hervor – denkt auch an Gelbe Rüben oder Mohrrüben. Demnach ist also die auffällige Blüte eine „Rübenblüte“. Keineswegs anstößig, außer man hält „Rübe“ für ein Schimpfwort.

Dürfen wir ab jetzt nur noch von Karotten, Gelben Rüben (wie sprechen wir dann weiß- und rotfleischige Sorten an?), Rübli oder Wurzeln sprechen? Was ist dann mit dem Volksnamen Wilde Möhre?
Statt Mohrenblüte ab jetzt nur noch Herz-Jesu-Blutstropfen oder Herrgottsblut? Ist das dann etwa unzulässige Ungleichbehandlung von Nicht- oder Andersgläubigen?
Was meint Ihr?